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Erzdiözese alarmiert wegen Morden an Obdachlosen

In einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats der Hauptstadt Maceió wird am 4. November über 31 Morde debattiert werden, die in diesem Jahr bereits an Obdachlosen im brasilianischen Bundesstaat Alagoas begangen worden sind. Erst vor wenigen Tagen, am 31. Oktober, sei in Maceió erneut ein Obdachloser umgebracht worden, erklärte der Koordinator der Sozialpastorale von Maceió, Rogério Madeiro. Bis auf einen Fall, hätten sich nach Angaben des Paters alle Mordfälle in Maceió, der Hauptstadt des Bundesstaates, ereignet. In der 900.000 Einwohner zählenden Stadt leben rund 400 Obdachlose.

„Soziale Säuberung“ nicht ausgeschlossen

Die Polizei habe dem Nationalen Sekretariat für Menschenrechte Ende Oktober einen Bericht zu den Fällen übergeben. Daraufhin habe die Menschenrechtsstelle das Justizministerium um Unterstützung der Bundespolizei bei den Mordfällen ersucht, heißt es in Presseberichten.

Während die Polizei davon ausgeht, dass die Morde wegen Drogen und Rivalitäten der Obdachlosen untereinander begangen wurden, schließt der Koordinator der Erzdiözese auch „soziale Säuberungen“ nicht aus. Weder die Staatsanwaltschaft noch der brasilianische Anwaltsverband OAB hätten diese Möglichkeit ausgeschlossen, erklärt Pater Madeiro.

„Es hat noch nie so viele Tote gegeben wie jetzt“, so der Kirchenvertreter. Meistens würden die Taten nachts und an besonders hoch frequentierten Orten begangen, wie etwa im Stadtzentrum, so der Kirchenvertreter.

Katholische Kirche fordert gründliche Untersuchung

Die katholische Kirche hatte in einem Schreiben vom 28. Oktober auf die Vorfälle reagiert. In dem vom Erzbischof von Maceió, Don Antônio Muniz Fernandes, unterzeichneten Schreiben wird eine gründliche Untersuchung der Vorfälle gefordert. Auch bittet die Erzdiözese um Respekt vor diesem Teil der Bevölkerung und kritisiert, dass bis jetzt keine Untersuchungsergebnisse zu den Mordfällen vorliegen. Zudem appelliert sie in dem Schreiben an Katholiken und alle anderen Bereiche der Gesellschaft, mit ihrem Handeln „zu einer Atmosphäre wahrer Brüderlichkeit und Gerechtigkeit beizutragen“.

Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Kirche würden Sozialarbeit für die Obdachlosen leisten, erklärt Padre Madeiro, doch dies allein reiche nicht aus, um deren Situation grundlegend zu verbessern. (bh)

Quelle: Adital