Chile |

Erzbischof gegen Privatisierung des Bildungssektors

Der Erzbischof von Concepción, Fernando Chomalí, hat eine einseitige Ausrichtung des chilenischen Bildungswesens auf Wissensvermittlung beklagt. Bei der politischen Eröffnung der Adveniat-Aktion 2013 kritisierte er am Montagabend in Berlin, dass eine sehr gute Bildung in Chile nur für Reiche zu haben sei. Deshalb müsse der Staat eine aktivere Rolle im Bildungsbereich übernehmen und eine kostenfrei zugängliche Bildung für alle ermöglichen.

"Wir müssen heute eine Kultur der Solidarität schaffen, damit keiner beim Wettlauf um gute Bildung auf der Strecke bleibt", forderte Erzbischof Chomalí. In Chile gebe es den Glauben, sozialen Wandel allein durch wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Dabei werde die menschliche Entwicklung vernachlässigt und allein das Gewinnstreben gefördert. Erzbischof Chomalí sei aber davon überzeugt, dass sich die Menschen ändern müssten. Eine ganzheitliche Bildung sei dabei der Königsweg hin zu einer gerechteren Gesellschaft.

Notwendig: Kultur der Solidarität

Die Privatisierung des Bildungssektors habe in Chile die soziale Ungleichheit verstärkt, sagte Chomalí. So könnten sich oft nur die Kinder wohlhabender Familien eine kostspielige Ausbildung leisten. In Chile gebe es den Glauben, sozialen Wandel allein durch wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Dabei werde die menschliche Entwicklung vernachlässigt und allein das Gewinnstreben gefördert.

So habe sich die Zahl der Ärzte in den vergangenen Jahren verzigfacht. Zugleich gebe es in den ländlichen Gebieten weiterhin Ärztemangel. Notwendig sei hingegen eine Kultur der Solidarität. Nötig sei ein Mentalitätswandel: "Motor der Entwicklung muss der Mensch sein, nicht die Wirtschaft", so der Erzbischof. "Wir müssen heute eine Kultur der Solidarität schaffen, damit keiner beim Wettlauf um gute Bildung auf der Strecke bleibt."

Die Podiumsdiskussion war der politische Auftakt zur Adveniat-Aktion 2013, die am ersten Adventssonntag in Osnabrück eröffnet wird. Unter dem Motto „Hunger nach Bildung“ stellt die Jahresaktion den Einsatz der Kirche für mehr Bildungsgerechtigkeit in den Blickpunkt. In Lateinamerika und der Karibik sind Bildungschancen nach wie vor stark von der sozialen Herkunft und finanziellen Möglichkeiten abhängig. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat setzt sich seit Jahrzehnten für mehr Bildungsgerechtigkeit in Lateinamerika und der Karibik ein.

Quelle: Adveniat/KNA