Guatemala |

Erzbischof fordert Bestrafung von Ex-Diktator Rios Montt

Erzbischof Oscar Vian Morales hat an Justizbehörden und die Politik appelliert, den Fall des Ex-Diktators Rios Montt nicht ungeahndet zu lassen. "Wir müssen sich all jene fühlen, die von weit her gekommen sind und gelitten haben, um ihre Zeugenaussagen zu machen", zitierte die Tageszeitung "Siglo 21" am Montag, 28. Oktober Ortszeit, den Oberhirten der Hauptstadtdiözese Guatemala-Stadt. "Es kann nicht ohne Strafe ausgehen", so Vian weiter.

Ein Gericht hatte Ex-Diktator Jose Efrain Rios Montt im Mai dieses Jahres wegen mehrerer Massaker an der indigenen Bevölkerung zu einer Haftstrafe von 80 Jahren verurteilt. Das Verfassungsgericht annullierte das Urteil jedoch wenig später wegen Formfehlern. Mittlerweile droht die Neuauflage des Prozesses zu platzen. Das Verfassungsgericht gab vergangene Woche einer Beschwerde statt, die seine Begnadigung unter einem Amnestiegesetz von 1985 ermöglichen könnte. Zahlreiche internationale Institutionen haben Guatemala aufgerufen, Rios Montt erneut vor Gericht zu stellen.

Der blutige Konflikt zwischen vier linken Guerillaorganisationen und der Regierung des mittelamerikanischen Landes kostete während des Bürgerkrieges zwischen1960 und 1996 nach Schätzungen rund 200.000 Menschenleben. Durch einen Militärputsch kam Rios Montt im März 1982 an die Macht. Nach nur 15 Monaten Amtszeit wurde seine Schreckensherrschaft durch rivalisierende Militärs abgelöst.

Laut einem UN-Bericht machten die Schergen des als "Schlächter der Indios" bezeichneten Ex-Diktators 448 Dörfer dem Erdboden gleich. Konkret wird Rios Montt die Verantwortung für ein Massaker an 1.770 Indigenen in der nördlichen Provinz Quiche angelastet. Vor allem die Gewalt gegen die indigenen Bevölkerungsgruppen lenkte die internationale Aufmerksamkeit auf die monatelange Anhörung des Prozesses in Guatemala.

Rios Montt ist eine der schillerndsten Figuren der politischen Landschaft Guatemalas. Zuvor als Präsidentschaftskandidat eines Mitte-Links-Bündnisses gescheitert, kämpfte er später mit Rückendeckung der USA gegen kommunistische Guerilla-Einheiten. Auch als Pastor und Prediger für eine evangelikale Gemeinschaft war Rios Montt aktiv. Bis vor kurzem genoss er als Abgeordneter parlamentarische Immunität. Nach seiner Abwahl schöpften Opfervereinigungen Hoffnung, ihn für die Gräueltaten doch noch vor Gericht stellen zu können.

Quelle: KNA