Argentinien |

Erstmals Zivilperson wegen Diktaturverbrechen verurteilt

Ein Gericht in La Plata hat gestern erstmals eine Zivilperson wegen Verbrechen während der Militärdiktatur (1976-1983) verurteilt. Der 76-jährige ehemalige Premierminister der Provinz Buenos Aires, Jaime Smart, wurde wegen Menschenrechtsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Smart wurde wegen besonders schwerem Mord an Jorge Rubinstein und wegen illegaler Freiheitsberaubung, ausgeführt durch einen Funktionär in Übertretung seiner Befugnisse, der zudem in 43 Fällen Gewalt und Drohungen eingesetzt hatte, verurteilt.

Außerdem erklärte das Gericht, dass die argentinische Justiz bei diesem Prozess noch die Verantwortung von Smart in 30 weiteren Fällen untersuchen werde, bei denen er derzeit nicht angeklagt ist, so die argentinische Tageszeitung „La Nación“.

„Circuito Camps“

Außer Smart standen noch 22 weitere Personen vor Gericht, von denen 16 eine lebenslängliche Strafe erhielten, die anderen erhielten Haftstrafen zwischen zweieinhalb und 25 Jahren. Damit endet der seit September 2011 laufende so genannte Fall der „Circuito Camps“. Gegen die Angeklagten wurde wegen Menschenrechtsverbrechen in sechs geheimen Folterzentren ermittelt, die zu den „Camps“ gehören.

Schätzungen zufolge sind während der Militärdiktatur in Argentinien zwischen 20.000 und 30.000 Menschen spurlos verschwunden. Die gezielte Aufarbeitung der Verbrechen aus dieser Zeit wurde erst nach der Jahrtausendwende unter dem inzwischen verstorbenen Präsidenten Nestor Kirchner begonnen. (bh)