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Erstmals Südamerikaner FAO-Chef

Die »Organisation für Ernährung und Landwirtschaft« (FAO) in Rom hat erstmals einen Südamerikaner zum leitenden Direktor gewählt. In einer Stichwahl auf dem derzeitigen 37. Gipfel der UN-Organisation gegen Hunger konnte sich der Brasilianer José Graziano da Silva am Sonntag mit 92 zu 88 Stimmen gegen Spaniens Ex-Außenminister Miguel Ángel Moratinos durchsetzen. In einer ersten Runde hatte der Wunschkandidat von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff unter anderem den ehemaligen EU-Kommissar für Landwirtschaft Franz Fischler aus österreich hinter sich gelassen.

Grazianos gesamtes Berufsleben beschäftigt sich mit Ernährungsfragen und Landwirtschaft. Der 61-Jährige studierte an der »Universität von Sao Paulo« (USP) Wirtschaft und ländliche Soziologie, ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften der »Staatlichen Universität von Campinas« (UNICAMP) und absolvierte zwei Post-Doktorandenstudien in Lateinamerikastudien und Umweltstudien. Der Nachfolger des Senegalesen Jacques Diouf, der die Organisation 17 Jahre lang führte, war seit 2006 bereits Vize-Direktor der FAO und dort Repräsentant für Lateinamerika und Karibik.

In Brasiliens Regierung unter Präsident Ignacio »Lula« da Silva führte der Brasilianer mit italienischer Staatsbürgerschaft als damaliger Minister für Lebensmittelsicherheit das weltweit beachtete Ernährungsprogramm »Fome Cero« (Null Hunger) ein. Laut Regierungsangaben überwanden mit dessen Hilfe rund 24 Millionen Brasilianer die extreme Armut, die Unterernährungsrate der Bevölkerung wurde um 25 Prozent gesenkt. Vier Jahre hat der neue FAO-Direktor im Kampf gegen den weltweiten Hunger von rund 925 Millionen Menschen Zeit. Nach einer jüngsten Reform ist nur eine Wiederwahl erlaubt. (bb)

FAO-Wahlkampagne von José Graziano da Silva: www.grazianodasilva.org