Argentinien |

Erster Prozess gegen Piloten der Todesflüge

Im dritten und bisher größten Prozess wegen Menschenrechtsverbrechen während der letzten Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983 müssen sich seit gestern in Buenos Aires erstmals auch Piloten der Luft- und der Küstenwache wegen so genannter „Todesflüge“ vor Gericht verantworten.

Bei diesen Verbrechen wurden pro Flug bis zu 15 betäubte politische Gefangene an Bord von Militärmaschinen gebracht, um diese dann nackt aus tausenden Metern Höhe über dem Meer oder dem Rio de la Plata abzuwerfen und zu Verschwundenen zu machen. Es ist bis heute unklar, wie viele Menschen auf diese Weise ums Leben kamen, Schätzungen gehen von bis zu 2.000 Opfern aus.

Sicher ist, dass drei Mitglieder der Mutter der Plaza de Mayo auf diese Weise umgebracht wurden, darunter deren Gründerin Azucena Villaflor. Auch die französische Nonne Léonie starb bei einem Todesflug. Diese Praktik, von der Überlebende der als geheimes Folterzentrum fungierenden Militärschule ESMA berichtet hatten, wurde erst durch Interviews des Piloten Adolfo Scilingo mit dem argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky 1995 bestätigt.

„Megaprozess“ mit 68 Angeklagten für 789 Verbrechen

Darin hatte Scilingo, der in Spanien 2007 wegen mehrerer illegaler Verhaftungen zu einer Haftstrafe von 1084 Jahren verurteilt worden war, die Vorgänge bestätigt und im Detail geschildert.

Insgesamt werden bei dem seit gestern laufenden Prozess 68 Personen wegen 789 Verbrechen, die in der Militärschule für Mechenikar ESMA verübt worden sein sollen, verhandelt. Rund 900 Zeugen werden ihre Aussage machen, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Nach Angaben der argentinischen Tageszeitung „La Nación“ ist der Prozess auf 24 Monate angesetzt. (bh)