Mexiko |

Erster Erfolg für die „Karawane der Mütter“

Es ist der Moment, für den die Frauen all diese Strapazen auf sich genommen haben. Vor ein paar Stunden erst war die "Karawane der Mütter" im südmexikanischen Tabasco angekommen. Dann erreichte sie ein Anruf von Unterstützern und Menschenrechtlern, die sie bei der Suche nach den verschollenen Familienmitgliedern unterstützen. Die Frauen sollten in die Flüchtlingsherberge "La 72" kommen, teilten ihnen die Helfer mit.

Neun Jahre lang hatte Silvia Campos auf diesen Augenblick gewartet. Vor neun Jahren hatte sich ihr Sohn Cervelio Mateo Campos aus dem kleinen honduranischen Städtchen Gracias im Departement Lempiras auf den Weg gemacht, um sein vermeintliches Glück in den USA zu suchen. Ohne gültige Papiere und nur mit ein paar Dollars in der Tasche. Irgendwie sollte es schon gutgehen, dachte sich Cervelio. Es ging nicht gut.

Das wenige Geld, das sich Cervelio zusammengekratzt hatte, reichte nicht lang. In Tabasco ist er schließlich gestrandet. Irgendwann brach der Kontakt ab. Einerseits weil sich Cervelio schämte, dass er seinen Traum von den USA nicht verwirklichen konnte, andererseits weil ihm das Geld für einen einzigen Anruf fehlte. Die Familie machte sich angesichts der schlimmen Nachrichten über das Schicksal vieler Migranten in Mexiko große Sorgen um Cervelio. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen gegen die mittelamerikanischen Flüchtlinge.

Mutter und Sohn nach neun Jahren wieder vereint

Nun können sich Mutter und Sohn wieder in die Arme schließen. Es ist ein bewegender, emotionaler Moment. Minutenlang ist es still, nur das glückliche Schluchzen von Silvia und Cervelio ist zu hören. Nicht alle 47 Mütter, die sich vor ein paar Wochen in Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala auf den Weg gemacht haben, werden ähnliche gute Erfahrungen auf ihrer Suche quer durch Mexiko machen. Die Frauen haben sich aus Sicherheitsgründen zu einer Karawane zusammengeschlossen. In dieser Woche kam die Gruppe in Mexiko an.

Ruben Figueroa von der Menschenrechtsorganisation "Movimiento Migrante Mesoamericano" ist einer der wertvollen Helfer, die den Müttern bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen unterstützt. Seine Helfer konnten Cervelio Mateo Campos in Tabasco ausfindig machen und für mindestens drei weitere Mütter gibt es ebenfalls gute Nachrichten, kündigen die fleißigen Helfer an.

Die "Karawane der Mütter" wird die klassische "Route der Migranten" in Mexiko absuchen. Ihre Ankunft wird in vielen Herbergen schon sehnsüchtig erwartet, denn die Frauen sind auch so etwas wie Botschafter aus der Heimat. Wenn sie vielleicht nicht die eigenen Angehörigen ausfindig machen können, so finden sie vielleicht einen Hinweis oder können ihrerseits helfen, dass die Menschen in den Herbergen mit Zuhause in Kontakt kommen.

Katholische Kirche unterstützt die Suche der Mütter

Priester Pedro Pantoja, der selbst in einer Herberge für Migranten in der mexikanischen Diözese Saltillo mitarbeitet, erklärte im Vorfeld der Reise: "Wir haben uns mit den Müttern getroffen, um darüber zu sprechen, wie wir ihre Angehörigen finden können. Wir werden überall suchen, auch in Krankenhäusern, weil die verschwundenen Menschen sehr oft noch am Leben sind, aber sich in einer hilflosen Lage befinden", so Pantoja. Die Migranten sind in Mexiko oft völlig auf sich allein gestellt, weil es für sie in der "hermetisch abgeriegelten mexikanischen Gesellschaft" keinen Platz und keine Solidarität gibt, erklärt der Priester.

Die katholische Kirche unterstützt die Suche der Mütter. In vielen von der Kirche betriebenen Herbergen, unterstützen die lokalen Pfarrer die Frauen mit einer kostenlosen Unterkunft und Verpflegung. Auf der Reise geht es aber nicht nur um die Suche nach der eigenen Familie. Die Frauen versuchen auch mit den lokalen Politikern in Kontakt zu kommen, um sie auf das Schicksal der Migranten hinzuweisen.

Autor: Tobias Käufer

Auf Güterzügen fahren die Migranten als blinde Passagiere mit. Oft passieren dabei schwere Unfälle. Foto: Adveniat/Escher.