Guatemala |

Erste Vizepräsidentin soll Frauen Türen zu Politik öffnen

Zum ersten Mal in der Geschichte Guatemalas wird eine Frau die Vizepräsidentschaft übernehmen. Roxana Baldetti habe es nun in der Hand, die Guatemaltekinnen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen, meinen politische Beobachter. Die 49-Jährige hat ihr Amt gemeinsam am Samstag mit dem neuen Staatschef Otto Pérez Molina angetreten.

"Wir hoffen, dass Baldetti einen guten Job machen wird und wir bei nächster Gelegenheit eine Staatspräsidentin haben werden", sagte Miriam Ordoñez, die Bürgermeisterin der Gemeinde San Cristóbal Acasagustlán, rund 100 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt. Die Vizepräsidentin habe jetzt die große Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Frauen nicht länger diskreditiert würden.

Bislang spielen Guatemaltekinnen in der Politik so gut wie keine Rolle. So gibt es lediglich in sieben der 333 Gemeinden des zentralamerikanischen Landes eine Bürgermeisterin. Für den Zeitraum 2012 bis 2016 wurden weitere sieben gewählt.

Frauen in öffentlichen Ämtern unterrepräsentiert

Im Parlament halten weibliche Abgeordnete nur 18 von 158 Sitzen. In der Legislaturperiode 2012 bis 2016 der vier kommenden Jahre wird eine Deputierte hinzukommen. Offiziellen Daten zufolge sind darunter lediglich vier Ureinwohnerinnen.

"Frauen konnten sich gerade einmal 5,5 Prozent der öffentlichen Ämter sichern – also 27 von insgesamt 493 Positionen", geht aus einem Bericht der Staatsanwaltschaft für Menschenrechte über die Wahlen 2011 hervor. Darin wird kritisiert, dass die ungleiche Berücksichtigung von Männern und Frauen bei der Postenvergabe einem demokratischen System nicht gerecht wird. Zugrunde liegen Daten des Obersten Wahlgerichts. Umso größer sind nun die Erwartungen an Baldetti, Frauen im politischen und gesellschaftlichen Bereich mehr Geltung zu verschaffen. "Viele Guatemaltekinnen hatten keine Gelegenheit, sich zu bilden. Das beeinträchtigt auch ihr Selbstwertgefühl", meinte Ordoñez.

Frauen müssten auch in die Lage versetzt werden, genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Lebenssituation verbessern können, sagte Hortencia Simón von der unabhängigen Politischen Vereinigung der Maya Moloj-Frauen.

Die Regierung des scheidenden Präsidenten Alvaro Colom hatte das Programm ´Meine Familie kommt voran´ eingeführt. Sozial schwache Familien erhalten umgerechnet 37 US-Dollar, damit sie ihre Kinder zur Schule schicken und medizinisch versorgen lassen können. Nach Ansicht von Simón ist es jedoch ebenso wichtig, mehr Frauen den Zugang zu weiterführenden Schulen und Universitäten zu ermöglichen.

Ureinwohnerinnen bei Bildung benachteiligt

Vor allem Ureinwohnerinnen müssen ihrer Meinung nach stärker gefördert werden. "Nur etwa jede zehnte Jugendliche indigener Herkunft besucht eine weiterführende Schule. Von denjenigen, die in extremer Armut leben, schafft dies nur jede Hundertste", heißt es in einer Untersuchung der Weltbank von 2007. Nach Einschätzung von Simón kommt Baldetti nun die Rolle zu, den Frauen im Land in der Politik die Türen zu öffnen.

Die Aktivistin Rosario Escobedo von der Organisation ´Sector de Mujeres´ bezweifelt, dass die neue Vizepräsidentin den Erwartungen gerecht werden wird. Es sei zu befürchten, dass Baldetti die Forderungen der Frauen nicht entschieden genug vertrete, sagte sie. Bislang habe sie sich nicht deutlich über ihre Frauen-Agenda geäußert. ´Sector de Mujeres´ engagiert sich landesweit für bessere Entwicklungschancen für Frauen und für die Umsetzung des bis 2023 laufenden Regierungsprogramms für Chancengleichheit. Guatemalas künftige Vizepräsidentin hat unterdessen zugesichert, Frauen in ländlichen Gebieten zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Familienplanungsprogrammen zu verhelfen.

Autor: Danilo Valladares, deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe, IPS-Weltblick