Chile |

Erste Entschädigung für Tsunamiopfer

Der Oberste Gerichtshof Chiles hat Ende vergangener Woche die erste Entschädigungszahlung für ein Opfer des Tsunamis von 2010 angeordnet. Die Ehefrau, Kinder und Enkelkinder des verstorbenen Mario Orvando erhalten von der chilenischen Regierung eine Summe in Höhe von 100.000 US-Dollar. Die damalige Regierung von der gerade wiedergewählten Präsidentin Michelle Bachelet wird teilweise für den Tod Orvandos verantwortlich gemacht, da sie die Bevölkerung in den Küstenstädten nicht rechtzeitig auf die Gefahr eines Tsunamis in Anschluss an eins der stärksten Erdbeben der Geschichte Chiles aufmerksam machte.

Auch Mario Orvando entschied nach einer Tsunami-Entwarnung im Radio, in seinem Haus in der Hafenstadt Talcahuano zu verbleiben. Nur eine knappe halbe Stunde später wurde dieses von meterhohen Wellen überspült. Es gelang seiner Familie zwar, ihn aus dem Gebäude zu befreien, Orvando erlag seinen Verletzungen jedoch drei Tage später im Krankenhaus. Laut lokalen Medienberichten können nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshof nun auch hunderte weitere Opfer auf eine Entschädigung hoffen. Viele Betroffene haben in den vergangenen Jahren Klage gegen die Regierung eingereicht.

Das Erdbeben vom Februar 2010 war mit dem Wert 8,8 auf der Richterskala das sechststärkste, das Seismologen jemals gemessen haben. Es betraf vor allem die zentralen Regionen Chiles, die die höchste Bevölkerungsdichte aufweisen. Laut offiziellen Angaben waren 80 Prozent der Bevölkerung des südamerikanischen Landes betroffen. 525 Menschen kamen durch die Katastrophe ums Leben und 370.000 Häuser wurden zerstört. Die wirtschaftlichen Schäden des Bebens und des anschließend ausgelösten Tsunamis beliefen sich auf mindestens 15 Milliarden US-Dollar. (aj)