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Erste Doktorarbeit auf Quechua seit 468 Jahren

In Peru wurde erstmals in der Hochschulgeschichte des Landes eine Doktorarbeit nicht auf Spanisch, sondern in der indigenen Quechua-Sprache verfasst. Wie die Tageszeitung "La República" zu Wochenbeginn berichtet habe die Literaturwissenschaftlerin und Lehrerin Roxana Quispe Collantes am 15. Oktober 2019 ihre Arbeit über den peruanischen Dichter Andrés Alencastre Gutiérrez (1909-1984) an der Universidad Nacion Mayor de San Marcos in Lima ausschließlich in der "Sprache der Inkas" verteidigt.

Die Akademikerin hatte sieben Jahre lang zum Wirken von Alencastre, des wichtigsten Quechua-Poeten seit dem 18. Jahrhundert geforscht. Auf den Spuren des Großgrundbesitzers, Dichters und Dramatikers, der auf Spanisch und Quechua schrieb, war sie zu über zehn Forschungsreisen in die indigenen Gemeinden der Provinz Canas im Süden des Departamentos Cuscos gereist. In ihrer zweistündigen Verteidigung der Doktorarbeit erreichte sie laut "La República" zwanzig von zwanzig möglichen Punkten. Das macht sie "zur ersten Peruanerin, die eine Doktorarbeit auf Quechua erstellt hat."

Die Doktorarbeit wurde nicht nur in Quechua gehalten, auch wurde anders als gewöhnlich, eine indigene Zeremonie mit Kokablättern und Opfergaben durchgeführt. Auch die Prüferin führte die Verteidigung auf Quechua. In Peru ist Quechua seit 1968 Amtssprache, wird jedoch in Politik, Justiz und Wissenschaft so gut wie nicht verwendet. Quechua wird in unterschiedlichen Varianten von rund neun bis 14 Millionen Menschen in Bolivien, Ecuador, Argentinien, Kolumbien, Chile und Peru gesprochen. Auch, wenn immer wieder darauf Bezug genommen wird, war Quechua nicht die Sprache der Inka. Zu Zeiten der gewaltsamen Eroberung der Spanier wurde Quechua als Verkehrssprache von Staat und Kirche gefördert. (bb)  

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