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Erst einmal doch kein Aluminumwerk

Der paraguayische Minister für Industrie und Handel, Diego Zavala hat Anfang der Woche bekannt gegeben, dass die Verhandlungen über den Bau eines Aluminiumwerkes mit dem kanadischen Unternehmen Rio Tinto Alcan (RTA) vorerst ausgesetzt worden sind. Die Fortführung der Gespräche obliege dem neu gewählten Präsidenten Horacio Cartes, berichtet die Nachrichtenaguntur Púlsar. Eine Verpflichtung zu weiteren Verhandlungen bestehe nicht, das Projekt könnte auch gestoppt werden, so der Minister.

Zavala erklärte, man konzentriere sich im Moment auf Gespräche am “Umwelttisch”. Das Projekt sieht den Bau eines rund 3,5 Mrd. teuren Aluminiumwerks durch RTA in Alto Paraná vor. Der durch die Absetzung des gewählten Präsidenten Fernando Lugo an die Macht gekommene Regierungschef Federico Franco hatte das Projekt entschieden vorangetrieben und dies unter anderem mit der Schaffung von rund 4.000 direkten Arbeitsplätzen begründet.

Projekt Minister und Umweltbewegung kritisiert

Umweltorganisationen wie das Bündnis “No a Río Tinto Alcan” kritisierten das Projekt wegen der möglichen Umweltschäden scharf. „Die Verhandlungen wurden quasi einen Tag nach dem Regierungswechsel aufgenommen. Dadurch entstand bei dem Unternehmen der Eindruck, dass man einer solchen Anlage offen gegenüber stehe", zitiert die Agentur IPS den Analyst en José Carlos Rodríguez. Ex-Präsident Lugo hatte ein Expertenteam zusammengestellt, das Umsetzbarkeit des Projektes prüfen sollte. Franco hatte dann entschieden, die Untersuchungsergebnisse nicht abzuwarten und sofort mit Verhandlungen zu beginnen.

Zudem war kritisiert worden, dass die Aluminiumhütte zum einen mit subventioniertem Strom versorgt würde und zum anderen sämtliche weitere Roh- und Betriebsstoffe aus dem Ausland importiert werden müssten. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Minister für öffentliche Bauten und Infrastruktur, Cecilio Pérez Bordón, nach einem Bericht von IPS die Zahl der direkt geschaffenen Arbeitsplätze zudem auf 1.250 herunterkorrigiert.

Das Linksbündnis Frente Guasú begrüßte die Suspendierung der Verhandlungen mit RTA. Allerdings sei laut lokalen Presseberichten eine zweite Übereinkunft zwischen Regierung und RTA für Juni 2013 vorgesehen gewesen. In dem Werk sollten jährlich rund 670.000 Tonnen Aluminium produziert werden. (bh)