Brasilien |

Erneut eine Million Menschen auf der Straße

Die Proteste in Brasilien reißen nicht ab und weiten sich immer mehr aus. Medienberichten zufolge sind am Donnerstag, 20. Juni, rund eine Million Menschen in über 100 Städten des südamerikanischen Landes auf die Straße gegangen, um ihrem Unmut über die hohen Kosten der Fußball-WM, die Korruption der Regierung und die nach wie vor fehlenden grundlegenden staatlichen Dienstleistungen Ausdruck zu verleihen. Die größte Demonstration fand in Rio de Janeiro statt. Es nahmen 300.000 Menschen teil.

In der Stadt Ribeiraro Preto, rund 330 Kilometer nördlich von Sao Paulo, kam ein Mann bei einem Unfall ums Leben. Ein Auto sei in eine Gruppe von drei Menschen gefahren und überfuhr einen von ihnen. Augenzeugen berichten, dass der Autofahrer versuchte die Demonstranten zu umfahren, die eine Straße blockierten. Die genauen Umstände sind noch nicht bestätigt. In vielen Städten endeten die Demonstrationen in Gewalt und es gab Verletzte zu beklagen. Die Polizisten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein und wurden in den vergangen Tagen national und international für ihr hartes Vorgehen gegen die Demonstranten kritisiert.

Regierung scheint ratlos

Um die Menschenmassen zu beruhigen, kündigten die Bürgermeister mehrerer Städten Brasiliens, inklusive Rio de Janeiro und Sao Paulo, an, die geplante Erhöhung der Transportkosten um umgerechnet sieben Cent wieder zurücknehmen zu wollen. Diese Erhöhung ist es gewesen, an der sich Proteste entzündet hatten. Doch inzwischen ist deutlich geworden, dass die Unzufriedenheit der Brasilianer viel umfassender ist. Dilma Rousseff hat nun alle Termine für die kommenden Tage abgesagt und für den heutigen Freitag, 21. Juni, eine Krisensitzung einberufen. (aj)