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Entwicklungsexperten: Finanzmärkte konsequent regulieren

Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise fordern Entwicklungsexperten eine konsequente Regulierung der Finanzmärkte. Nur so könne eine Wiederholung der Krise mit ihren verheerenden Auswirkungen auch auf Entwicklungs- und Schwellenländer verhindert werden, heißt es in einer am Montag in Köln vorgestellten Studie des Südwind-Instituts für ökonomie und ökumene. Die Regulierung müsse "die sozialen Auswirkungen von Finanztransaktionen berücksichtigen und Experten aus diesem Bereich in Verhandlungen einbinden".

Die Finanzmarktkrise der vergangenen Monate habe sich von Anfang an auch auf Entwicklungs- und Schwellenländer ausgebreitet, so die Autoren der Studie. Besonders nach dem Höhepunkt der Krise, dem Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers, hätten Millionen von Menschen dort die schlechteren wirtschaftlichen Bedingungen zu spüren bekommen. Experten gingen davon aus, dass rund 200 Millionen Menschen zusätzlich in Armut gestürzt worden seien, so Südwind-Mitarbeiterin Antje Schneeweiß.

Die Forscher machen vier "Ansteckungswege" aus: die Finanzmärkte, den Welthandel, geringere Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten und rückläufige Zahlungen von Entwicklungshilfe. Die Finanzkrise habe in vielen Entwicklungsländern die Möglichkeit zur Kreditaufnahme besonders für kleine und mittlere Unternehmen verschlechtert, heißt es in der Studie mit dem Titel "Wer spannt den Rettungsschirm für die Armen?". Dort wo Nahrungsmittel auf Kredit gekauft würden, seien trotz sinkender Weltmarktpreise die Preise auf hohem Niveau geblieben oder gestiegen. Zudem sei es kurzfristig zu Kapitalabzug besonders aus Ländern mit heimischen Börsen wie Nigeria gekommen; verbunden mit einer Abwertung der Landeswährung

Am schwersten traf es nach den Angaben Entwicklungsländer, deren Wirtschaft auf den Export von Rohstoffen oder Fertigwaren ausgerichtet ist. Hier sei die Arbeitslosigkeit mit Einsetzen der Krise sprunghaft gestiegen. Gleichzeitig seien die Steuereinnahmen gesunken. All das habe eine steigende Armut zur Folge gehabt. "Konkret bedeutet dies für Millionen von Menschen weniger und ungesündere Mahlzeiten, höhere Kriminalität und ein Ansteigen der Schulabbrüche sowie der Kinderarbeit", betonen die Autoren der Studie.

Quelle: kna