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Entscheidung im Mordfall Stang

Brasilia. Ein Gericht im nordbrasilianischen Belem hat den Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura wegen des Mordes an der katholischen Missionarin Dorothy Stang erneut zu 30 Jahren Haft verurteilt. Bastos soll einem Auftragskiller mehrere Tausend Euro für die Ermordung Stangs bezahlt haben, so die Entscheidung des Gerichts die am Dienstag von Onlinediensten verbreitet wurde.

Die US-amerikanische Missionarin Stang hatte sich jahrzehntelang für die Landrechte armer Bauern engagiert. Im Februar 2005 wurde sie in der Nähe der Stadt Anapu nach mehreren Morddrohungen mit sechs Schüssen getötet. Bastos war bereits im Mai 2007 als Drahtzieher des Mordes an der 73-Jährigen zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. In einem zweiten Prozess, auf den in Brasilien alle Verurteilten ab einem Strafmaß von 20 Jahren Anrecht haben, wurde er jedoch freigesprochen. Im April 2009 wiederum setzte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Para die Annullierung dieses Freispruchs durch.

"Die Gerechtigkeit hat gesiegt," äußerte sich die Missionarin Rebecca Spires, eine Weggefährtin Stangs, in einer ersten Reaktion auf das Urteil. Experten rechnen damit, dass Bastos Anwälte erneut Berufung gegen das Urteil einlegen werden. Bastos hatte am Montag vor Gericht erklärt, Stang nicht gekannt zu haben, und jegliche Beteiligung an dem Verbrechen geleugnet.

Bastos und ein weiterer Landbesitzer, Regivaldo Pereira Galvao, sollen dem Auftragsmörder Rayfran das Neves Sales und einem Komplizen umgerechnet mehrere tausend Euro für die Ermordung der Missionarin gezahlt haben. Neves war 2005 und nochmals 2007 und 2008 des Mordes für schuldig befunden worden. Zuletzt verhängten die Richter eine Haftstrafe von 28 Jahren. Im Dezember letzten Jahres wurde bekannt, dass das Verfahren gegen ihn neu aufgerollt werden soll. Galvao musste sich bislang überhaupt nicht vor Gericht verantworten.

Quelle: kna