Chile |

Entlassung minderjähriger Mapuche-Häftlinge gefordert

Mehrere Kinderschutzorganisationen wollen mit einer internationalen Unterschriftenkampagne erreichen, dass drei inhaftierte minderjährige Mapuche noch vor Weihnachten frei gelassen werden. Luís Marileo Cariqueo, Cristian Cayupan Morales und Jose Ñiripil Pérez sind wegen Terrorismus angeklagt.

Das Netzwerk für Kinder und Jugendliche und die Stiftung Anide erklären in ihrem Aufruf, dass die Inhaftierung von Kindern unter den gegebenen Bedingungen sowohl gegen internationales Recht verstoße als auch die Menschenwürde von Kindern und Jugendlichen verletze. Die Unterschriftenliste soll der Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Bitte übersandt werden, dass in Chile nie wieder ein Kind unter dem Vorwurf des Terrorismus inhaftiert und angeklagt wird.

Jugendliche am Hungerstreik beteiligt

Die in Temuco inhaftierten Jugendlichen hatten sich ebenfalls am rund 90 Tage währenden Hungerstreik der Mapuche in diesem Jahr beteiligt. Die Hungerstreikenden wollten unter anderem erreichen, dass das Anti-Terror-Gesetz, das noch aus der Zeit Pinochet-Diktatur stammt, nicht mehr angewendet wird.

"Der chilenische Staat hat die Pflicht, ohne Unterschied für das Wohlergehen aller Mädchen und Jungen zu sorgen. Der inhaftierte Luís Marileo Cariqueo ist des Terrorismus angeklagt und Monate lang von seiner Familie, der Schule und seinen Freunden getrennt. Solche Bedingungen sind sicher nicht sehr förderlich für seine Entwicklung" kritisieren die Organisationen. Mitte November 2010 saß Cariqueo bereits sieben Monate in Untersuchungshaft. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war er noch minderjährig gewesen.

Mehr als ein Jahr Untersuchungshaft

Obwohl das Anti-Terror-Gesetz vor zwei Monaten modifiziert worden und den Jugendlichen zugesichert worden war, dass sie unter das Jugendgesetz fallen und nicht mehr gemäß dem Anti-Terrorgesetz gegen sie prozessiert würde, sei die Situation der Mapuche-Jugendlichen nicht besser geworden. Man habe den Prozess gegen die Minderjährigen mehrmals angesetzt, dann aber schließlich wieder vertagt, kritisieren die Kinderschutzorganisationen. Einer der Inhaftierten befindet sich bereits länger als ein Jahr im Gefängnis. (bh)

Quelle: Adital