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El Salvador: Jesuiten 1989 ermordet wegen Friedensbestrebungen

"Befreiende Philosophie zu treiben bedeutet, sich der Wirklichkeit zu stellen (hacerse cargo de la realidad), sie als Herausforderung anzunehmen (encargarse con la realidad) und sie auf sich zu nehmen, auch an ihr zu leiden (cargar con la realidad)“.
Diese Worte des salvadorianischen Jesuiten Ignacio Ellacuría kosteten ihm das Leben. Er und seine Mitbrüder an der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in El Salvador entwickelten ihre befreiende Philosophie und Theologie nicht nur schriftlich und theoretisch, sondern setzten sie auch im konkreten Leben um. Im Bürgerkrieg, der das zentralamerikanische Land seit der Ermordung von Erzbischof Oscar A. Romero im Jahr 1980 menschlich verwüstete, standen die Theologen und Philosphen der UCA an forderster Front, um einen Frieden über den WEg des Dialogs und des ausgehandelten Waffenstillstands zu erreichen. Dieser Friedensversuch war den Militärs und der Regierung (finanziell und militärisch unterstützt duch die USA) ein Dorn im Auge.
Ellacuría wurde mit seinen fünf Mitbrüdern (Ignacio Martín-Baró, Segundo Montes, Amando López, Juan Ramón Moreno, Joaquín López y López) sowie der Angestellten Elba Ramos und deren 16-jährige Tochter Celina in der Nacht zum 16. November 1989 von Militärs gewaltsam umgebracht.
Die Ausführenden sowie die Auftraggeber aus Militär und Regierungskreisen von damals sind längst nachgewiesen, ein internationales Gericht hat zuletzt in Spanien die Verurteilung der Mörder und ihrer Auftraggeber gefordert. Das nach den Friedensverhandlugnen 1994 schnell in Kraft gesetzte Amnestiegesetz verhindert jedoch nach wie vor, dass Menschenrechtsverbrecher aus dem Bürgerkrieg verurteilt werden. Straffreiheit verhindert so weiterhin, dass tiefe Wunden im individuellen und kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung heilen können. Versöhnung wird verhindert.

Die Erinnerung an das Martyrium dieser salvadorianischen ChristInnen ist eine Erinnerung an den Auftrag an uns ChristInnen heute, uns dort, wo wir sind, mit unseren Fähigkeiten und nach unseren Möglichkeiten für Gerechtigkeit, Wahrheit und Versöhnung einzusetzen. Auch in der Geschäftsstelle von Adveniat.

Text: Dr. Magdalena Holztrattner