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El Ni?„o meldet sich zurück

„El Niño“ ist das spanische Wort für Christkind. Die meisten Menschen verbinden mit diesem Wort die Weihnachtszeit, Geschenke und eine besinnliche Zeit im Kreis der Familie. In Südamerika und besonders in Peru und Ecuador hat „El Niño“ aber auch noch eine andere Bedeutung. Es ist der Name für ein Wetterphänomen, das dort alle zwei bis sieben Jahre sintflutartige Regenfälle, Unwetter, Überschwemmungen und Erdrutsche auslöst. Das Phänomen kündigt sich durch erhöhte Wassertemperaturen im Ostpazifik an und laut des US-Amerikanischen Klimaforschungszentrums CPC war 2009 ein solches „El Niño“ Jahr, mit typischen Hinweisen darauf, dass dieses Jahr mehrere Naturkatastrophen zu erwarten ist. Schon im Sommer verzeichneten die Meteorologen des Instituts vor der Küste Perus und Ecuadors Temperaturerhöhungen. Sie gehen davon aus, dass die beiden südamerikanischen Länder vor allem Anfang des Jahres bis Februar mit Unwettern rechnen müssen.

„El Niño“ steht für eine Kombination aus Faktoren, die die üblichen klimatischen Bedingungen im Pazifik komplett auf den Kopf stellen. Die tropische Zirkulation sorgt normalerweise dafür, dass sich im Westpazifik vor der Küste Indonesiens und Australiens ein Tiefdruckgebiet bildet. Das Ergebnis sind hohe Wassertemperaturen (28°C) und verstärkter Niederschlag. Im Ostpazifik ist das Gegenteil der Fall. Ein Hochdruckgebiet im Küstengebiet Ecuadors und Perus ist dort verantwortlich für niedrigere Wassertemperaturen (24°C) und ein trockenes Klima. In „El Niño“ Jahren wird diese Zirkulation verlangsamt und die Situation kehrt sich nahezu gänzlich um. In Indonesien und Australien bleibt der Niederschlag aus und verlagert sich in die Küstenregion von Ecuador und Peru.

Das Wetterphänomen hat weitreichende Folgen für Peru und Ecuador

Die beiden Länder werden dadurch heimgesucht von ungewöhnlich starken Regenfällen, die zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen, während Australien und Indonesien mit Dürren zu kämpfen haben. Durch den letzten besonders ausgeprägten „El Niño“ zum Jahres-wechsel 1997/98 wurden in Südamerika ganze Dörfer fortgespült, zahlreiche Bauern verloren ihre Ernte und 5000 Menschen kamen ums Leben. Eine weitere Folge der kurzweiligen klimatischen Veränderung ist das verstärkte Auftreten von Durchfallerkrankungen und Malaria in den betroffenen Regionen. Für die Fischindustrie Perus sind El Nino Jahre außerdem Verlustjahre, denn die Fischbestände in den Gewässern nehmen durch die erhöhten Wassertemperaturen ab.

Doch nicht nur Indonesien, Australien und Südamerika sind betroffen. Starke „El Niño“ Ereignisse führen auch in Mittelamerika und Nordostbrasilien zu Dürren. Im Inseldreieck Hawaii, Cook-Inseln und Tahiti kommt es darüber hinaus vermehrt zu Zyklonen. Auch vor Mexiko und den USA bilden sich tropische Stürme. Die atlantische Hurrikansaison hingegen wird durch „El Niño“ abgeschwächt. Auch letztes Jahr wurde in der Karibik eine ruhige Hurrikansaison verzeichnet.

Wie weitreichend die Folgen von „El Niño“ in diesem Winter sein werden, ist noch unklar. Das Phänomen ist schwierig vorherzusagen. Zwar können Meteorologen einige Monate im Voraus erkennen, dass ein „El Niño“ Ereignis bevorsteht, über die Stärke lässt sich allerdings lediglich spekulieren. Die Forscher des CPC gehen von einem Ende der Klimaanomalie im Mai 2010 aus.

Autorin: Anna-Maria Jeske