Bolivien |

Einigung über Lohnerhöhung

Nach einem 36-stündigen Verhandlungsmarathon am vergangenen Wochenende einigten sich der Gewerkschaftsdachverband COB und die Regierung am Sonntagabend im Tauziehen um Lohnerhöhungen. Demnach werden die Löhne für Angestellte des Gesundheits- und Bildungswesens um zwölf Prozent erhöht. Anfänglich werden die Einkommen jedoch nur um elf Prozent steigen. Regierung und Gewerkschaften versprachen, eine Finanzierung für das fehlende Prozent auf die Beine zu stellen, berichtet die Agentur Adital unter Berufung auf eine erste Stellungnahme nach den Verhandlungen.

Generelle Erhöhung um zehn Prozent bleibt

Angestellte aller anderen Sektoren, wie beispielsweise Staatsbedienstete, Armeeangehörige oder Mitarbeiter in der Privatwirtschaft erhalten nur zehn Prozent mehr Lohn. Diesen Vorschlag hatte die Regierung im vergangenen Februar unterbreitet. Der COB war mit Forderungen nach 15 Prozent Lohnerhöhung in die Verhandlungen gegangen.

César Navarro, Vizeminister für die Koordination mit den sozialen Bewegungen bewertete die Verhandlungen, die mit einer Übereinkunft über acht strittige Punkte endete, als achtbares Ergebnis. Dies verdeutliche, dass "durch Dialog und nicht durch Konfrontation" die Ziele der Bewegungen erreicht würden. Bruno Apaza, Pressesprecher des COB erklärte seinerseits, die Verhandlungen hätten den "realistischen Rahmen" widergespiegelt, heißt es in Presseberichten.

Einigung bei sieben von acht Forderungen

Die Erhöhungen sollen ab August rückwirkend zum ersten Januar dieses Jahres ausgezahlt werden. Einigungen konnten zudem unter anderem bezüglich der Forderung nach Erhöhung öffentlicher Investitionen, dem Respektieren von Gewerkschaftsrechten, der Ernährungssicherheit, der Neustrukturierung der Gesundheitsversicherung und sowie der Rücknahme des so genannten „Neoliberalisierungsdekrets“ Nr. 21060 von 1985, das einen freien Wechselkurs der bolivianischen Währung, freie Zinssätze sowie freie Preise für Lebensmittel und Treibstoffe und die öffnung der Märkte vorsah.

Nach Angaben Online-Ausgabe der bolivianischen Zeitung “El Mundo” hat der COB der ausgehandelten Übereinkunft am Montag zugestimmt und wird seine Proteste einstellen.

In Bolivien war es bei zweiwöchigen Streiks und Protesten der Gewerkschaften für mehr Lohn zu Ausschreitungen gekommen. (bh)