Bolivien |

Einigung im Ärztestreit

Nach 46 Tagen Ärztestreik gegen die Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf acht Stunden sind Boliviens Medizinstudenten und Linksregierung an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. In der Nacht zum Montag unterzeichneten Regierungsminister Carlos Romero und Eduardo Cortés, Präsident des Universitätsverbandes CEUB, einen Fahrplan zur Beilegung des Konflikts. Auf einer Pressekonferenz in La Paz stellten Romero und Cortés eine umfangreiche Zehn-Punkte-Agenda vor, Ergebnis von zwei Tagen härtester Verhandlungen zwischen Regierung, Universitäten, Gewerkschaftsdachverband COB und Ärzteverbänden.

»Alles was CEUB Sorgen bereitete ist in das Abkommen eingeflossen«, begrüßte Cortés die Einigung mit der regierenden »Bewegung zum Sozialismus« (MAS). Neben Beibehaltung des 6-Stunden-Arbeitstag durch Rücknahme von Dekret Nr. 1126 wurden Verbesserungen für Medizinstudium, Universitätsverwaltung und acht Prozent mehr Geld für Boliviens Universitätsbudgets vereinbart, was aus Steuereinnahmen auf Gas- und Erdöl finanziert werden soll. Über Gehaltserhöhungen, die über das jüngste Acht-Prozent-Angebot der Regierung hinaus geht, werde weiter verhandelt, so Medienberichte.

»Ich glaube wir haben unsere gesellschaftliche Verantwortlichkeit wahrgenommen«, lobte der CEUB-Chef das »günstige Verhandlungsklima mit der Regierung«. Präsident Evo Morales hatte die Ausweitung der Arbeitszeit mit Personalmangel begründet. Die Betroffenen zeigten dafür kein Verständnis, wochenlang gingen Medizinfakultäten und Krankenhauspersonal auf die Barrikaden, in mehreren Städten lieferten sich aufgebrachte Medizinstudenten bis zuletzt Scharmützel mit der Polizei.

Neben der Rücknahme von Dekret Nr. 1126 kündigte die MAS-Administration die Wiedereinstellung von Mediziner-Personal des öffentlichen Dienstes an, dem wegen Nichterfüllung ihres Arbeitsvertrages während des Ausstandes gekündigt worden war. Ein Gesundheitsgipfel zur Reform des Gesundheitssystems Ende Juli soll alle Beteiligten an einen Tisch bringen. (bb)