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Einer von rechts - drei von links

Trauernde am Grab Oscar Romeros in der Krypta der Kathedrale von San Salvador. Foto: Adveniat/Steffen
Trauernde am Grab Oscar Romeros in der Krypta der Kathedrale von San Salvador. Foto: Adveniat/Steffen

Zehn Jahre gingen ins Land, bis in seinem Erzbistum El Salvador der Seligsprechungsprozess auf lokaler Ebene eröffnet wurde. Nach vier Jahren endete er mit einem positiven Votum. 1997 kam der Prozess in Rom bei der zuständigen Heiligsprechungskongregation an. Und obwohl mit Vincenzo Paglia einer der einflussreichsten Kirchenmänner als Fürsprecher gewonnen werden konnte, zog sich die Sache in die Länge.

Nach 17 Jahren Wartezeit, in der Hunderte Zeugen gehört, zahlreiche Predigten Romeros rekonstruiert und Aktenberge gesichtet wurden, kommt nun aus Rom die entscheidende Nachricht: Papst Franziskus folgte am Dienstag dem Urteil einer theologischen Kommission der Heiligsprechungskongregation: Bei der Ermordung des in seiner Heimat längst als Heiliger verehrten Erzbischofs handelte es sich um einen Märtyrertod.

Franziskus: "Romero verdient Seligsprechung"

Ein Blick auf die Vorgeschichte zeigt, dass der Pontifikatswechsel von 2013 vermutlich nicht der allein entscheidende Punkt für das nun leuchtende Grüne Licht war. Schon Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2007 während seiner Brasilien-Reise erklärt, dass Romero aus seiner Sicht die Seligsprechung verdiene. Doch das von Fachleuten im Vatikan über viele Jahre immer wieder kolportierte Argument, man könne leider nicht sicher sagen, ob der Mörder und seine Hintermänner Romero aus "Hass gegen den Glauben" oder doch eher wegen seiner politischen Parteinahmen gegen die Regierung töteten, war nicht leicht auszuräumen.

Erst eine sorgfältige Rekonstruktion seiner Ansprachen sowie eine unparteiische Analyse der gesellschaftlichen Lage des Landes El Salvador am Vorabend des Bürgerkriegs (1980-1991) konnte den Nachweis erbringen, dass Romero getötet wurde, weil er die Soziallehre der Kirche und die Liebe Christi zu den Armen verteidigte. Der wachsende Abstand von den tiefen gesellschaftlichen Gräben des Bürgerkriegs, dem Romero ebenso wie 70.000 seiner Landsleute zum Opfer fiel, hat dazu beigetragen, die Dinge klarer zu sehen.

Altbewährter Kniff zur Seligsprechung

Die nun in wenigen Monaten oder Jahren bevorstehende Seligsprechung - manche halten den 100. Geburtstag Romeros am 15. August 2017 für ein geeignetes Datum - kann nun stattfinden, ohne dass die Wunden zwischen den einst verfeindeten Lagern wieder aufgerissen werden. Die einstige Guerilla-Bewegung FMLN ist heute eine etablierte politische Partei, und die mutmaßlichen militärischen und politischen Hintermänner der Ermordung sind tot oder im hohen Greisenalter.

Zudem greift der Vatikan auf einen bereits mehrfach angewandten Kniff zurück: Dem mutmaßlich im Auftrag der Rechten ermordeten Erzbischof Romero aus El Salvador werden drei Märtyrer zur Seite gestellt, deren Tod auf das Konto der linksgerichteten Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" in Peru gehen. In einem weiteren vom Papst autorisierten Dekret bestätigte die Heiligsprechungskongregation am Dienstag das Martyrium der beiden Minoriten Michele Tomaszek und Sbigneo Strzalkowski sowie des Diözesangeistlichen Alessandro Dordi vom August 1991.

Die Rebellen warfen den Geistlichen damals vor, für die örtliche Caritas zu arbeiten und bedürftige Indios mit Nahrung und Medikamenten zu versorgen. Sie hielten damit die Menschen in Armut, argumentierten die Kidnapper.

Mit Spannung wird in Mittelamerika darüber spekuliert, ob Franziskus für die Seligsprechung Romeros - der jetzt nur noch er selbst sowie eine Gruppe von Bischöfen und Kardinälen zustimmen müssen - persönlich nach San Salvador reisen wird. Normalerweise überlässt der Papst Seligsprechungsfeiern den zuständigen Ortskirchen. Doch im Fall des von ihm auch persönlich hoch verehrten Märtyrers Romero wäre eine Ausnahme von dieser ungeschriebenen Regel denkbar.

Autor: Ludwig Ring-Eifel
Quelle: KNA

Mehr über Oscar Romero erfahren Sie in unserem Dossier.