Bolivien |

Eine Million Bücher für öffentliche Bibliotheken

Seit Wochenbeginn läuft in Bolivien die Post-Alphabetisierungskampagne „Bolivien liest, spende ein Buch“. Im ganzen Land will das Bildungsministerium mit Unterstützung der Armee bis Dezember insgesamt eine Million Bücher einsammeln. „An nur einem Tag wurden landesweit schon knapp über 40.000 Bücher geschafft“, kommentierte Boliviens Vizeminister für alternative Bildung Noel Aguirre von der regierenden „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) gegenüber dem TV-Sender ATB den Start der Aktion.

Begonnen hatte die Kampagne zur Stärkung der Lesekultur vergangenen Sonntag anlässlich des alljährlichen Weltalphabetisierungstages der UN-Bildungsorganisation UNESCO. Laut Angaben des Bildungsministeriums in La Paz sollen in Bolivien 300 neue öffentliche Bibliotheken gebaut werden. „Ziel ist der Bau von 300 Gemeinschaftsbibliotheken, die sich auf dem Land befinden werden“, so Aguirre.Die gespendeten Bücher seien zum Großteil in einem guten Zustand und werden von einer Gruppe von Pädagogen katalogisiert.

„Wir wollen unser Vorhaben eines Boliviens ohne Analphabetismus schaffen“, kündigte Bildungsminister Roberto Aguilar Gómez an, das „historische Ziel von 3,7 Prozent“ zu verteidigen. 2008 war Bolivien von der UNESCO als „frei vom Analphabetismus“ erklärt worden. Nach der Alphabetisierungskampagne „Ja, ich kann“ nach kubanischem Vorbild, ein Wahlversprechen der MAS-Regierung, galten nur noch 3,7 Prozent der Bevölkerung als Analphabeten. Ergebnisse der jüngsten Volkszählung 2012 ergaben jedoch einen Wert von 5,02 Prozent, demnach 346.525 Bolivianer über 15 Jahren weder lesen noch schreiben können. Mindestens ein Prozent ist Expertenmeinung zufolge funktionaler Analphabetismus, was auf fehlende Lese- und Schreibpraxis zurückzuführen ist. (bb)