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Eine Milliarde Menschen lebt in Slums

„Die Ärmsten sind Ausbeutung und Korruption besonders stark ausgesetzt. Sie benötigen und sie verdienen bessere Städte und ein besseres Leben“, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki‑moon in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung anlässlich des sich nahenden Welt-Habitat-Tages. Um diese Aufgabe umsetzen zu können, müssten Kommunen, nationale Regierungen, internationale Organisationen und Gremien, die Zivilgesellschaft und die Privatwirtschaft zusammenarbeiten, so der Repräsentant der UNO.

Augenmerk 2010: Bessere Städte

Mit dem seit 1986 jährlich am ersten Montag im Oktober begangenen Tag soll das Augenmerk auf die Lebensbedingungen der Menschen weltweit gerichtet und vor allem das Recht auf eine Wohnung thematisiert werden. Weltweit haben 1,6 Mrd. Menschen keinen angemessenen Wohnraum. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Eine bessere Stadt für ein besseres Leben“. Hochrechnungen der UNO aus dem Jahr 2008 gehen von einer zunehmenden Urbanisierung aus. So wird erwartet, dass die Zahl der Stadtbewohner in Lateinamerika und der Karibik von 433 Millionen Menschen im Jahr 2005 auf 683 Millionen im Jahr 2050 ansteigen wird.

Das Motto des diesjährigen Welt-Habitat-Tages ist gleichzeitig auch Namensgeber für die diesjährige Expo 2010 im chinesischen Shanghai, wo auch die offiziellen Feierlichkeiten anlässlich des Tages stattfinden werden.

1.000.000.000.000 - eine Milliarde Menschen leben in Slums

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weist angesichts des diesjährigen Mottos des Habitat-Tages darauf hin, dass weltweit rund eine Billion Menschen in Slums leben. Laut dem UN-Habitat Global Urban Observatory von 2008 lebten im Jahr 2005 in vielen Ländern Lateinamerikas mehr als die Hälfte der Stadtbewohner in Jamaika und Bolivien in Slums. In ganz Lateinamerika und der Karibik sind es laut dem UN-Bericht ´Die Lage der Weltstädte 2010/2011: Die urbane Kluft´ etwa 23 Prozent. Besonders starke Einkommensunterschiede wurden erneut in brasilianischen Städten festgestellt.

Menschenrecht auf Wohnen


Das Menschenrecht auf angemessenes Wohnen, meist als „Recht auf Wohnen“ bezeichnet, ist sowohl in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als auch im UN-Sozialpakt festgeschrieben und damit mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung: Laut den Vereinten Nationen gehören zum Recht auf Wohnen etwa die Sicherheit des Besitzes durch Beurkundung, Schutz vor Vertreibung aus Wohnraum, Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Anlagen und Energieversorgung. Auch muss die Wohnung Schutz vor Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Wind und Regen bieten und Schulen und Arbeit in Reichweite sein.

Milleniumsziele: Verbesserungen nur für wenige


Laut Amnesty International haben die Vereinten Nationen im vergangenen September konstatiert, dass das Milleniumsziel der Armutsreduzierung in Bezug auf Slumbewohner nur für 100 Mio. Menschen erreicht werden könne. Die Situation von 90 Prozent der Menschen, die in Elendsvierteln leben, werde sich durch die Anstrengungen um das Erreichen der Milleniumsziele nicht verändern, so die Schätzung der UNO.

Symposium in Haiti

In Haiti, wo nach dem schweren Erdbeben vom 12. Januar dieses Jahres auch im September laut UN-Angaben noch mindestens eine Millionen Menschen in Notunterkünften leben, soll vom 29. September bis zum 4. Oktober ein Symposium sozialer Organisationen über das Recht auf Wohnraum stattfinden. Bei der Konferenz sollen Strategien für die Teilnahme Haitis am weltweiten Treffen zur Wohnsituation entwickelt werden, das im Rahmen des Weltsozialforums im kommenden Februar in Senegals Hauptstadt Dakar stattfinden wird.

Autorin: Bettina Hoyer