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"€žEine Art institutioneller Rassismus"€?

Vor allem im Bundesstaat Mato Grosso ist die Gewalt gegen brasilianische Ureinwohner unverändert hoch, wie aus dem jüngsten CIMI-Jahresbericht hervorgeht. Aber auch mangelnde ärztliche Versorgung und Mangelernährung gefährden die indianischen Ethnien. Die Autoren des Berichts prangern die Gleichgültigkeit der Regierung an.

133 Fälle von Gewalt gegen Indios listet der Jahresbericht 2009 des Indio-Missionsrates CIMI auf. "Es handelt sich hier nicht bloss um pure Statistik, denn unsere Beziehung zu diesen Menschen ist persönlicher Art," stellte der Bischof von Xingu, Erwin Kräutler, in Personalunion zugleich Präsident des CIMI, bei der Präsentation des neuesten Jahresberichtes am Freitag in der Hauptstadt Brasilia klar.

Der Bericht listet 60 Morde und 16 Mordversuche an Indios auf. Zudem gab es 19 Selbstmorde, die durch von außen auf die Indios ausgeübte Gewalt provoziert wurden. Besonders hervorgehoben wird die Situation der 53.000 Guarani Kaiowa Indios im Bundesland Mato Grosso. Mehr als die Hälfte aller Mordfälle - 33 - fand hier statt. "Die in den letzten Jahren registrierte Gewalt lässt uns zu dem Schluss kommen, dass in diesem Bundesland eine Art von institutionellem Rassismus herrscht, ausgeübt durch zivile Gruppen und unterstützt durch das Nichtstun der Regierung," so Lara Tatiana Bonin, Mitautorin des Berichtes.

Die neuesten Zahlen bestätigen den Trend der letzten Jahre. Gegenüber 2008 blieben sie nahezu stabil, allerdings auf einem nicht hinzunehmenden Niveau, so CIMI. "Das vergossene Blut der Indios schreit zum Himmel," so Bischof Kräutler, "und wir wollen dass dieser Jahresbericht von der Bundes- und den Landesregierungen wahr genommen wird, damit wir der Gewalt gegen die Indios ein Ende setzen können." So sei die Gleichgültigkeit der Regierungen mitverantwortlich für die Gewalt gegen die Ureinwohner.

Allein 41 Erwachsene und 16 Indiokinder starben in ganz Brasilien aufgrund unzureichender ärztlicher Betreuung durch das staatliche Gesundheitssystem; 22 davon, Angehörige des Stammes der Xavante im Munizip Nova Xavantina, im Bundesland Mato Grosso. Insgesamt sollen 2009 in ganz Brasilien 23.000 Indios ohne ärztliche Betreuung geblieben sein.

Alarmierend seien zudem die zahlreichen Fälle von Mangelernährung unter den Indios. Alleine beim Stamm der Guarani Kaiowas in Dourados (Mato Grosso do Sul) wurden 90 solcher Fälle gezählt. Zudem starben sieben Indiokinder in Sao Paulo und jeweils eines in Tocantins und Parana an Unterernährung.

Auch von Seiten der Polizei kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen die Indios. Großes Aufsehen erregten hierbei Aktionen gegen die Tupinambas in Bahia und die Xukurus in Pernambuco. Im Juni 2009 wurden fünf Tupinambas von der Polizei festgenommen und mit Elektroschocks gefoltert. Ihr Stamm sollte damit gezwungen werden, ihre Ländereien zu verlassen.

Für Roberto Liebgott, Vize-Präsident des CIMI, zeigt der Bericht , dass die Bundesregierung aus politischem Kalkühl heraus die Situation die Indios nicht verbessern wolle. Zu den hierbei angewendeten Aktionen gehöre, neben offener Gewalt, auch das Hinauszögern von Demarkierungen von Indioland und der Einrichtung von Gesundheitsposten.

Autor: Thomas Milz