Honduras |

Ein Land versinkt in Gewalt

In Honduras sind in dieser Woche erneut drei Menschen ermordet worden. Am Dienstag wurden die Journalistin Luz María Paz Villalobos und der Mechaniker Delmer Canales, der sie begleitete, in der Hauptstadt Tegucigalpa von einer Gruppe Männer erschossen. Die Täter konnten unerkannt fliehen. Damit erhöht sich der Zahl der ermordeten Journalisten seit Anfang 2010 auf 17. Nur einen Tag später fand die Polizei die Leiche des Menschenrechtsaktivisten und ehemaligen Regierungsberaters Alfredo Landavarde. Landavarde setzte sich vor allem im Kampf gegen die Korruption ein und wollte mit seiner neu gegründeten christdemokratischen Partei 2013 zur Präsidentschaftswahl antreten. Der 76-Jährige wurde von einem fahrenden Motorrad erschossen, während er selber im Auto unterwegs war.

Die Sicherheitslage in dem zentralamerikanischen Land scheint immer mehr zu eskalieren. Nach dem jüngsten Bericht des Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen hat Honduras mit 81 Morden pro 100.000 Einwohner die höchste Mordrate weltweit. Viele der Verbrechen werden im Zusammenhang mit dem internationalen Drogenhandel und Bandenkriegen verübt. Besonders kritische Journalisten und Aktivisten gegen Korruption sind häufig die Opfer der Gewalt. Die verübten Morde bleiben bisher größtenteils straffrei. Kritische Stimmen in Honduras behaupten, dass ein Teil des Polizeiapparats in die Verbrechen verwickelt ist.

Militarisierung der öffentlichen Sicherheit

Um der Lage Herr zu werden, hat der honduranische Präsident Porfibio Lobo das Militär mehr und mehr in die Polizeiarbeit der Hauptstadt einbezogen. Anfang November wurde in der „Operation Lightening“ ein Aufgebot von 11.000 Soldaten in Tegucigalpa eingesetzt. „Im Oktober, vor der Operation Lightening wurden 116 Morde verübt. Im November konnte die Zahl auf 76 gesenkt werden“, sagte Lobo vergangene Woche in einem Fernsehinterview.

Um diese Tendenz fortzusetzen, wurde am Dienstag der Notstand der öffentlichen Sicherheit von der Nationalversammlung beschossen. Dieser gilt für 90 Tage und erlaubt es dem Militär, verstärkt in die Aufgaben der Polizei einzugreifen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorgehen der Regierung schwer. Sie befürchten eine weitere Eskalation der Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, die dann straffrei bleiben. (aj)