Bolivien |

Ein Land protestiert

Die bolivianische Regierung sieht sich in dieser Woche mit einer Reihe von Protesten unterschiedlicher Gruppen konfrontiert. So wird am Dienstag ein landesweiter Streik der Ärzte gegen die Erhöhung ihrer täglichen Arbeitszeit fortgesetzt. Präsident Evo Morales hatte kürzlich ein Dekret unterzeichnet, das die Arbeitszeit von Medizinern und Pflegepersonal von sechs auf acht Stunden erhöht. Bereits Ende März legten die Ärzte daraufhin ihre Arbeit nieder. In Gesprächen mit dem Gesundheitsminister Juan Carlos Calvimontes wurde vergangene Woche ein vorzeitiges Aussetzten des Streiks ausgehandelt, das am Dienstag endet.

Nach Angaben des Präsidenten der bolivianischen Hochschule für Mediziner, Alfonso Barrios, nahmen bisher 50.000 Betroffen an dem Streik teil. „Zwei zusätzliche Arbeitsstunden werden die gravierenden Gesundheitsprobleme unseres Landes nicht lösen“, so Barrios. Diese seien vor allem auf fehlende Infrastruktur und Ausrüstung zurückzuführen. Der Sechs-Stunden-Tag besteht seit 1970 und sei eine soziale Errungenschaft, die die Mediziner nicht aufgeben wollen. Mit dem erneuten Beginn des Streiks am Dienstag, wird eine Notversorgung aktiviert, die die gesundheitliche Versorgung der Bolivianer garantieren soll.

Forderungen nach mehr Lohn

Auch der bolivianische Gewerkschaftsverband COB kündigte eine 24-stündigen Streik sowie eine Demonstration in der Hauptstadt La Paz an. Grund dafür sei nach dem Gewerkschaftsführer Carlos Truhillo die von der Regierung geplante Lohnerhöhung von lediglich sieben Prozent. Laut der COB benötige eine Familie in Bolivien mindestens 1192 US-Dollar im Monat, um zu überleben. Dies entspricht dem zehnfachen des derzeitigen Mindestlohns von 117 US-Dollar. Der COB verlangt, dass die Regierung auf der Grundlage der Anerkennung dieser Zahlen in Verhandlungen tritt. Gespräche mit dem Arbeits- und Wirtschaftsminister sowie Unternehmern lehnte die COB-Spitze ab. Man wolle lediglich direkt mit Evo Morales verhandeln.

Darüber hinaus wurden In der Stadt El Alto Proteste gegen die geplante Erhöhung der Preise für den öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Die Regierung versucht weiterhin einen Konflikt mit den Guaraní östlich von Santa Cruz zu entschärfen. Die indigene Bevölkerungsgruppe fordert eine Entschädigung von fünf Millionen US-Dollar für die Umweltschäden durch den Bau einer Gasanlage in ihrem Gebiet. (aj)