|

"€?Ein Abkommen in Cancün ist machbar und möglich"€?

Sechs Fragen an Bundesumweltminister Norbert Röttgen zum Stand der Klimakonferenz in Cancún und der deutschen Rolle.

Herr Minister, wird Cancún so enden wie Kopenhagen oder gibt es Chancen auf ein Abkommen?

Man weiss es momentan noch nicht, ob es ein Ergebnis geben wird oder nicht. Die Frage ist, ob wir die Kraft haben nach vorne zu gehen. Ich bin der Auffassung, dass es machbar und möglich ist. Es sind ja unser aller Probleme, die wir lösen müssen. Irgendwann kommen sie bei allen Ländern an. Es hängt nun vom politischen Willen ab, den müssen manche bis Freitag noch aufbringen.

Wie steht es um die Alba-Länder, also Venezuela, Bolivien usw., die voriges Jahr in Kopenhagen blockierten, weil ihnen die Vereinbarungen nicht weit genug gingen?

Die Alba-Länder spielen bislang eine ordentliche Rolle. Ich habe keinen Anlass, sie zu kritisieren. Wir sind auf dem Weg einer Lösung, mit der glaube ich auch die Alba-Staaten einverstanden sein können.

Japan hat die Debatte um ein neues Kyoto-Protokoll angestossen. Wie wichtig ist es, dass man eine zweite Phase beschliesst?

Das Kyoto-Protokoll ist wichtig. Die europäische Position ist, dass man eine zweite Phase braucht, und die EU ist bereit, sich dahingehend zu verpflichten. Aber diese muss auch klimapolitisch wirksam sein und da bedarf es noch einiger Verbesserungen im Kyoto-Protokoll selbst. Und die Staaten, die noch nicht mit dabei sind wie die USA und China, müssen eigene Beiträge leisten.

Eines der wichtigen Themen hier ist der Waldschutz. Wie laufen da die Verhandlungen?

Der Waldschutz ist das wichtigste Feld, wo der Klima- und der Artenschutz zusammenfallen. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass die Artenschutzkonferenz in Nagoya ein Erfolg war und auch hier in Cancún das Thema Waldschutz in den Diskussionen am weitesten fortgeschritten ist. In diesem Bereich arbeiten Industrie- und Entwicklungsländer gut zusammen.

Was müsste im Abkommen mindestens stehen, dass es aus deutscher Sicht als Erfolg gewertet werden kann?

Wir brauchen ein sehr klares Paket. Das, was in Kopenhagen noch unverbindlich war, muss nun verbindlichen Charakter bekommen. Und wir müssen über Kopenhagen hinaus gehen, zum Beispiel in der langfristigen Finanzierung der Kliamaschutzprojekte, also bei der Einrichtung eines Fonds. Allerdings sind hier auch die Entwicklungsländer gefragt, wenn es an die Akzeptanz internationaler Anrechnungs- und Transparenzregeln geht. Da kann man sich nicht mit nationaler Souveränität herausreden. Es muss zum Beispiel klar sein, dass eine Tonne CO2-Reduzierung überall gleich viel wert ist, sonst macht das System keinen Sinn.

Spielt Deutschland überhaupt noch eine Vorreiterrolle beim Umweltschutz? Oder ist es so, wie manche Kritiker sagen, dass man sich auf seinen Lorbeeren ausruht?

Nein, auf keinen Fall. Wir haben ja zugesagt, bis zum Jahr 2020 die CO2-Ausstoss um 40 Prozent zu reduzieren. Die Bundesregierung hat gerade ein Konzept vorgelegt, das auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz setzt., und nur vorübergehend noch Kernenergie nützt als Zwischenlösung, aber nicht als Zukunftsoption. Das unterscheidet uns von anderen Ländern, die Kernenergie als Klimaschutz verstehen.

Interview: Sandra Weiss