Chile |

Ehemaliger Geheimdienstchef begeht Selbstmord

Der während der Pinochet Diktatur als Geheimdienstchef tätige Odlanier Mena hat am vergangenen Wochenende, 28./29. September, Selbstmord begangen. Der 87-Jährige verbüßte eine sechsjährige Haftstrafe wegen dreier Morde, die er während der Herrschaft von Augosto Pinochet begangen hatte. Mena war im Gefängnis Cordillera inhaftiert, was lediglich Militärs vorbehalten ist. Dort haben die Insassen sehr viele Privilegien. Letzte Woche kündigte der Präsident Sebastian Piñera an, dass er die Häftlinge von Cordillera nach Punta Peuco verlegen und das Militärgefängnis schließen lassen werde. Dies soll der Grund dafür gewesen sein, dass Mena sich bei einem Freigang am Wochenende mit einem Kopfschuss tötete.

Umstrittenes Gefängnis Cordillera

Nach Angaben des Anwalts des ehemaligen Geheimdienstchefs sei Mena sehr besorgt über die Verlegung gewesen. Er habe vor allem Angst davor gehabt, keine ausreichende medizinische Versorgung zu erhalten. Im Gefängnis Cordillera haben die Häftlinge außerdem Internetzugang, Tennisplätze und einen Gemeinschaftsraum. Anlass für die Verlegung und eventuelle Schließung der Haftanstalt war ein umstrittenes Interview mit dem Insasse, Manuel Conteras, der zu 289 Jahren Haft verurteilt wurde. Der ehemalige Leiter der Geheimpolizei unter Pinochet hatte beim Fernsehsender BBC behauptet, dass es während der Diktatur keinerlei Folterungen gegeben hätte.

Diese Aussage hatte zum wiederholten Mal starke Kritik an den milden Haftbedingungen der ehemaligen Militärs ausgelöst. Immer wieder hieß es, dass Militärs keine gesonderten Haftumstände und besondere Privilegien erhalten sollten. Anhänger des ehemaligen Diktators Augosto Pinochet hingegen machten den Präsidenten Sebastian Piñera für den Tod von Odlanier Mena verantwortlich. „Der einzig Verantwortliche ist der Präsident. Odlanier war ein unschuldig verurteilter Mann“, sagte der ehemalige General und Expräsident der Pinochet Stiftung Luis Cortés Villa. (aj)