Haiti |

Duvalier wird lediglich wegen Korruption angeklagt

Der ehemalige haitianische Machthaber Jean- Claude Duvalier wird in einem anstehenden Prozess lediglich wegen Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern während seiner 15-jährigen Herrschaft angeklagt. Wie gestern in der Hauptstadt Haitis Port au Prince bekannt wurde, muss der 60-Jährige sich nicht wegen der zahlreichen Morde und Menschenrechtverletzungen verantworten, die während seiner Amtszeit verübt wurden. Nach Angaben der Justiz reichen die Beweise für weitere Anklagepunkte nicht aus, obwohl mindestens 19 Opfer, nach der Rückkehr Duvaliers im vergangenen Januar, Beschwerde gegen den Politiker eingereicht hatten.

Duvalier, der 1971 die Herrschaft von seinem Vater Francois Duvalier übernahm und deswegen den Spitznamen Baby Doc erhielt, wird unter anderem Folter, Verschwindenlassen und Ermordung vorgeworfen. Außerdem soll er zwischen 300 und 800 Millionen US-Dollar Staatsgelder veruntreut haben. Die maximale Strafe für dieses Verbrechen liegt nach Informationen der Presseagentur Reuters bei fünf Jahren. Sie könne auf Grund seines Alters und Gesundheitszustands jedoch auch geringer ausfallen.

Proteste von Menschenrechtsgruppen

Mehrere Menschrechtsgruppen protestierten vehement gegen die Entscheidung der Justiz. „Wenn die heute getroffene Entscheidung auch in der Revision Bestand hat, bleibt in Haiti die Kultur der Straflosigkeit bestehen“, sagte von Reed Brody von Human Rigths Watch nachdem der Beschluss bekannt wurde, „Haiti ist es seinen Bürgern schuldig, die schweren Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen während der Duvalier-Herrschaft zu untersuchen“.

Der Diktatur von Francois und anschließend Jean-Claude Duvalier fielen mehr als 30.000 Menschen zum Opfer. Nachdem Baby Doc 1986 gestürzt wurde, floh er ins Exil nach Frankreich, wo er 25 Jahre lebte. Nach seiner Rückkehr zu Beginn 2011 wurde er von der haitianischen Justiz unter Hausarrest gestellt. Duvalier schien sich jedoch nahezu frei bewegen zu können und wurde auf Veranstaltungen und Partys gesichtet. Erst kürzlich hat der amtierende Präsident Michel Martelly in einem Interview gesagt, er wolle nicht unbedingt eine Verurteilung Duvaliers erwirken. Dies könne zu einer Spaltung des Landes führen. (aj)

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