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Durchbruch: Rettung der Bergleute am Mittwoch

Um 8.03 Uhr explodiert die Freude: Lautes Sirenengeheul kündigt den Durchbruch an. Endlich. 66 Tage nach dem Einsturz des Stollens in der chilenischen Gold- und Kupfermine San Jose hat der Bohrer Schramm T-130 die Halle, in der sich die 33 eingeschlossenen Bergleute seit dem 5. August aufhalten, erreicht.

Retter fallen sich in die Arme

Die Nachricht verbreitet sich am Samstag wie ein Lauffeuer im "Lager der Hoffnung", Familienangehörige und Retter fallen sich in die Arme. Die Mitarbeiter der Crew, die die Bohrung durchgeführt hat, feiern und tanzen ausgelassen. ""Chi, Chi, Chi, Le, Le, Le", rufen sie immer wieder, als wären sie im Fußballstadion von Santiago und recken dabei die Fäuste gen Himmel. Sektkorken knallen und wieder ertönt minutenlang die markerschütternde Sirene, die Männer können sich gar nicht satt hören an dem ohrenbetäubenden Geheul.

Freudentränen

Es ist nach zwei Monaten Wartezeit der emotionalste Tag im Lager. Maria Segovia, Schwester eines der verschütteten Bergleute, kämpft mit den Tränen: "Heute ist ein Tag großer Freude und Erleichterung. Ich danke Gott für seine Hilfe und allen denen, die uns in ihrem Herzen tragen, für ihre Unterstützung. Jetzt wird es hoffentlich nicht mehr lange dauern." Viele Angehörige wie Liliana Ramirez greifen sich eine der hunderten chilenischen Flaggen, vielleicht auch nur um irgendwo Halt zu finden. Die Hände zittern, die Tränen rollen über ihre Wangen. Aber heute sind es erstmals wieder Freudentränen. Auch Johnny Quispe ist außer sich. „Mir fehlen die Worte, um auszudrücken wie dankbar ich bin, dass der Bohrer endlich bei den Männern angekommen ist. Das sind sehr aufwühlende Stunden“, sagt der

Danke, Danke, Danke

Schwiegervater von Carlos Mamami, dem einzigen bolivianischen Bergmann in der eingeschlossenen Brücke. Quispe war am Unglückstag selbst nur wenige Minuten dem Stolleneinsturz in der Gold- und Kupfermine entkommen. „Ich kann immer wieder nur sagen: Danke, Danke, Danke. Jetzt bin ich sicher, dass alles gelingt.“ Über dem Lager liegt eine Staubwolke, die vielen aufgeregt umherlaufenden Menschen wühlen den feinen Sand auf dem Boden auf. Doch das stört niemanden: „Es ist tut gut, nach all diese langen Zeit. Jetzt hoffen wir, dass es bald so weit ist“, sagt Jessica Rojas, Tochter von Bergmann Esteban Rojas.

Die sich seit Wochen aufgebaute Spannung entlädt in wenigen Sekunden. Ziellos ja fast orientierungslos laufen die Familienangehörigen durch das Lager, sie umarmen sich, wissen aber nicht wohin mit ihrer Freude, auch weil sie die unzähligen erbarmungslosen Fernseh-Kameras bis in den letzten Winkel verfolgen. Hunderte von Journalisten versuchen ihre Nachrichten in alle Welt abzusetzen, da bricht das Netz zusammen. Die Server sind überfordert.

Bergung am Mittwoch

Klar ist: Der langwierigste Teil der Bergungsaktion ist gelungen. Der rund 70 Zentimeter breite Rettungsschaft in den "Taller", wie die Chilenen sagen, einen Werkstattraum in 624 Metern Tiefe, ist fertig. Damit ist die wichtigste Voraussetzung geschaffen, dass die Bergung nun in den nächsten Tagen über die Bühne gehen kann. Mit Hilfe von Rettungskapseln sollen die Männer einer nach dem anderen in die Höhe gezogen werden. Am Samstagabend verkündete Bergbauminister Laurence Golborne den neuen Termin für die Bergung: Mittwoch.

Aus Copiapo/Chile: Tobias Käufer