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Dürre und heftige Regenfälle vernichten Nahrungsmittel

El Salvador, wie Mittelamerika generell, wird oft von Dürre auf der einen und heftigen Regenfällen auf der anderen Seite getroffen. Beides führt zu erheblichen Verlusten an Ernten und gefährdet somit die Versorgungssicherheit für eine Bevölkerung, die ohnehin nur mit dem Notwendigsten auskommen muss. Viele Bauern leiden unter dem extremen Wetter, das häufig die komplette Aussaat vernichtet. Entweder fällt sintflutartiger Regen oder lange Zeit gar keiner. Die Ernte reicht dann weder wie gewohnt für die Versorgung der eigenen Familie mit Lebensmitteln noch für den Verkauf. Wenn vielleicht auch noch Schulden drücken, wird die Lage dramatisch.

Verursacher „El Niño“

Im November 2009 fegte der Hurrikan Ida über Mexiko und Mittelamerika. Er kostete viele Menschen das Leben – allein in El Salvador waren 198 Opfer zu beklagen – und zerstörte Felder und Infrastruktur. Im Mai diesen Jahres suchte der Tropensturm Agatha El Salvador und Guatemala heim. Ein Bericht der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO nennt als Naturereignis, das die Lebensmittelversorgung in Mittelamerika am stärksten beeinträchtigt, aber die Dürre der vergangenen zwei Jahre, die sich auch auf einige Teile Mexikos erstreckte. Diese sei Folge des Naturphänomens „El Niño“.

Im September 2009 hatte Guatemalas Präsident Álvaro Colom für sein Land den Katastrophenzustand ausgerufen, nachdem die Dürre für Lebensmittelverluste im Wert von über 9 Millionen US-Dollar gesorgt hatte. Im vergangenen Jahr verhungerten in Guatemala 240 Erwachsene, überwiegend Frauen, viele von ihnen junge Mütter, und 54 Kinder. Nach FAO-Angaben werden sich die Ernteverluste infolge der Dürre für 2010 in ganz Mittelamerika voraussichtlich auf 70 Mio. Dollar summieren.

Import von Bohnen

Paradoxerweise habe die Region in diesem Jahr zugleich die heftigsten Regenfälle des letzten Jahrzehnts erlebt, so die FAO. In El Salvador vernichteten die Unwetter in den besonders betroffenen Gebieten 30% der Bohnen-Ernte, was 8% der landesweiten Produktion entspricht. Weitere Grundnahrungsmittel wie Mais und Reis sind betroffen. Da die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr abgedeckt werden kann, haben die Importe stark zugenommen. Doch viele Menschen können sich vor allem Bohnen nicht mehr leisten: Der Preis hat sich fast verdreifacht.

Geschuldet ist dies nicht allein dem Produktionseinbruch, sondern auch einigen Händlern, welche die Situation für Hamsterkäufe missbrauchen, um abzukassieren. Geldstrafen wurden verhängt, doch Kritiker fordern vor allem, die Praktiken der großen Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Bislang ist der Staat hier noch nicht aktiv geworden.

El Salvador importiert zwar Bohnen aus Nicaragua, doch auch dort kommt es infolge des heftigen Regens zu Engpässen. Das Gleiche gilt für das Nachbarland Honduras. Trotz des extremen Wetters, dem Mittelamerika ausgesetzt ist, sehen Experten Möglichkeiten, sich besser gegen die Auswirkungen zu wappnen. So wurde zum Beispiel ein Mais-Samen entwickelt, der gegen Dürre ziemlich resistent ist. Doch fehle eine generelle Strategie, um sich dem widrigen Klima anzupassen, so gut es gehe.

Autor: Edgardo Ayala, Quelle: adital