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Drei Schwestern - ein Kampf gegen die Diktatur

Alljährlich am 25. November findet der von den Vereinten Nationen deklarierte Internationale Tag zur Beseitigung jeder Form von Gewalt gegen Frauen statt. Hintergrund für die Entstehung des Aktionstags ist die Verschleppung, Vergewaltigung und Ermordung der drei Mirabal-Schwestern im Jahr 1960 in der Dominikanischen Republik durch Soldaten des ehemaligen Diktators Trujillo.

Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt, gefesselt und in einem Zuckerrohrfeld mit Knüppeln erschlagen. Den Landrover mit den Toten stießen die Mörder einen Steilhang hinab. Die Zeitung „La Nación“ titelte am nächsten Tag: „Drei Mütter und ein Chauffeur bei tragischem Autounfall ums Leben gekommen.“ In der Dominikanischen Republik der Sechziger Jahre war das der übliche Stil, in dem der Diktator Rafael Leonidas Trujillo seine grausamen Morde vertuschte. Dieses Verbrechen schlug jedoch ungeahnte Wellen. Denn bei den drei Frauen handelte es sich um die Schwestern Minerva, Patria und Maria Teresia Mirabal, die als treibende Kraft der oppositionellen Bewegung galten.

Die Familie pflegte früh Kontakte zu Oppositionellen

In den ersten zehn Jahren der Diktatur war die Familie Mirabal nicht unmittelbar vom Geheimdienst bedroht, die Töchter hatten allerdings Kontakt zu anderen Mädchen, deren Familien Opfer des Regimes waren. 1937 wurden auf Anordnung Trujillos mindestens 15.000 haitianische Staatsbürger auf dominikanischem Territorium ermordet. Auch diese Gräueltat ging an den Mirabals, die im landwirtschaftlich genutzten Salcedo wohnten, nicht ungesehen vorbei. In den Vierziger Jahren hatten die drei Schwestern ersten Kontakt zu Oppositionellen. Sie informierten sich mittels ausländischer Radiosender über die ökonomische, politische und soziale Situation in ihrem Land und schlossen sich der Bewegung gegen die Diktatur Trujillos an.

Die Untergrundaktivitäten wurden ihnen zum Verhängnis

In den Sechziger Jahren unterstützen sie zusammen mit ihren Ehemännern die "Bewegung des 14. Juni", die den Sturz des Diktators plante. Im Januar 1960 flog die Bewegung auf. Hunderte junger Dissidenten landeten in Gefängnissen und Folterkammern des Terrorregimes. So auch die Mirabals und ihre Männer. Die Schwestern, die innerhalb der Gruppe als Las Mariposas (Die Schmetterlinge) bekannt waren, kamen jedoch wieder frei.

Nachdem sie am 25. November 1960 ihre immer noch inhaftierten Männer im Gefängnis besucht hatten, wurden sie auf Geheiß Trujillos auf der Heimfahrt von dessen Schergen in den Bergen überfallen und zusammen mit ihrem Chauffeur erschlagen. Ihre Untergrundaktivitäten gegen die brutale Trujillo-Diktatur, unter der die Dominikanische Republik über 30 Jahre lang zu leiden hatte, waren ihnen zum Verhängnis geworden. Nur eine Schwester überlebte: Dédè, die seither den Widerstand ihrer Schwestern lebendig hält.

Provinz trägt heute Namen der Mirabal-Schwestern

In der Dominikanischen Republik gelten die „Hermanas Mirabal“ heute als Symbol für den Widerstand gegen die Diktatur. Weltweit ist der Mut der Schwestern inzwischen zum Symbol für Frauen geworden, die nötige Kraft für das Eintreten gegen jegliches Unrecht zu entwickeln. Rund 20 Jahre nach ihrem Tod wurde der 25. November zum internationalen Gedenktag erklärt: Beim ersten Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen 1981 in Kolumbien würdigten die Teilnehmerinnen die drei Frauen und riefen ihr Todesdatum zur Erinnerung für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen aus. 1999 wurde dieser Tag durch die Vereinten Nationen offiziell zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen erklärt.

Der amtierende Präsident der dominikanischen Republik Leonel Fernández benannte 2007 die Provinz Salcedo offiziell in Hermanas Mirabal um. Dort befindet sich das gleichnamige Museum, das von Dedé Mirabal, der einzig überlebenden der vier Geschwister, geleitet wird. Ihre Schwestern sind auf dem Friedhof „Ojo de Agua“ in Salcedo begraben. An die drei Schwestern erinnert ebenso die dominikanische 200-Peso-Banknote, die eine Abbildung der Frauen ziert.

Gedenktag ruft zu Beendigung von Gewalt an Frauen auf

Seit dem 25. November 1981 wird weltweit durch Aktionen, Veranstaltungen und Tagungen von Frauenprojekten und Initiativen, aber auch von staatlicher Seite zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder aufgerufen. Dabei sollen vor allem Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Genitalverstümmelung von Frauen, Häusliche Gewalt, Zwangsheirat, vorgeburtliche Geschlechtsselektion oder weibliche Armut zur Sprache kommen. Außerdem sollen Programme unterstützt werden, die sich ausdrücklich für eine Gleichstellung von Frauen einsetzen; etwa im Bereich Erbrecht, Bildung, Privateigentum, bei aktivem und passivem Wahlrecht, Kreditwürdigkeit, Rechtsfähigkeit, Zugang zur Justiz oder dem Sichtbarmachen von unbezahlter Arbeitsleistung.

Autorin: Mareille Landau