Kolumbien |

Diözese Tumaco beklagt staatliche Vernachlässigung

Kinder spielen in einer Pfahlbausiedlung in Tumaco. Foto: Adveniat/Jürgen Escher
Kinder spielen in einer Pfahlbausiedlung in Tumaco. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

“Die vielen Aktionen der Gewalt und des Todes in der Geschichte unserer Region und die Vernachlässigung und Ausgrenzung durch den Staat haben dazu geführt, dass ein fruchtbarer Nährboden für die Entstehung von bewaffneten Gruppen in unserem Land entstanden ist und die Korruption in unseren Institutionen begünstigt wurde”, heißt es in einer Verlautbarung der Diözese Tumaco, die eine Situation des “Schreckens“ beklagt, unter der die Bevölkerung leide.

Kirche fordert Aufklärung

"Der Bischof, die Priester und die Pastoralarbeiter wissen um diese Entwicklung”, heißt es in der Botschaft, “und fordern eine Analyse der Lage und wünschen sich Hoffnung, Dialog und Ordnung, damit wir aus dieser schrecklichen Nacht aufwachen." Die Diözese beklagt "selektive Morde und unsichtbare Grenzen". Illegale bewaffnete Gruppen hätten die Kontrolle übernommen, Personen würden verschwinden und der Drogenkonsum unter den Jugendlichen steige. Auch der Tod der sechs Kokabauern sei "Anlass zur Empörung“, heißt es in der Verlautbarung.

Weiterhin Gewalt und Verschleppungen

Trotz eines Waffenstillstandes zwischen der Regierung und der Guerillabewegung ELN kommt es weiterhin zu Gewalt. Wie der Leiter des Caritas-Sekretariats, Prälat Hector Fabio Henao, mitteilt, kam rund die Hälfte der Menschen, die seit Anfang 2017 in Kolumbien vertrieben wurden, aus dem Departament Chocó im Westen des Landes. "Insgesamt wurden rund 11.000 Menschen vertrieben, davon fast 5.000 aus Chocó", sagte der katholische Geistliche im Gespräch mit dem lokalen Radiosender "La FM". In Zeiten des Waffenstillstands seien in der Region Chocó auch andere kriminelle Organisationen aktiv, die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung verüben, sagte Prälat Henao.

Bischof wünscht sich Entwicklungsprojekte

Bischof Orlando Olave Villanoba der Nachbardiözese Quibdó bittet die Behörden um Ermittlungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Tod der Kokabauern am 5. Oktober 2017 ín Tandil. Außerdem wünscht er sich verstärkt Entwicklungsprojekte für die Region. Unter der Vernachlässigung durch den Staate litten vor allem die ländlichen Gebiete. Kleine Dörfer und Bauernsiedlungen würden dort oft von kriminellen Banden bedroht.

Quelle: Fides

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