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Dilma plant Quoten für Afro-Brasilianer im öffentlichen Dienst

Nach den Unis jetzt der öffentliche Dienst. Staatspräsidentin Dilma Rousseff plant nach Medienberichten ein ganzes Paket affirmativer Maßnahmen, die den afro-brasilianischen Bevölkerungsteil besser stellen soll. Für die Nachfahren der aus Afrika nach Südamerika verschleppten Schwarzen könnte so demnächst eine Einstellungsquote im öffentlichen Dienst garantiert werden. Künftig könnten bis zu 30 Prozent aller offenen Stellen für Afro-Brasilianer reserviert werden, so die Zeitungberichte. Ende November soll der ehrgeizige Plan verkündet werden. Vor kurzem erst hatte die Rousseff-Regierung nach Jahre langen Diskussionen Rassenquoten für die öffentlichen Universitäten eingeführt.

Keine Quote für Privatfirmen

Die Quote für den öffentlichen Dienst soll angeblich Teil eines ganzen Maßnahmenpakets sein, dass voraussichtlich am "Tag des schwarzen Bewusstseins", dem "Dia da Consciência Negra" (20. November) von Rousseff vorgestellt wird. So soll es auch finanzielle Anreize für Unternehmen geben, Afro-Brasilianer einzustellen. Allerdings dürfte es vom Gesetzgeber aus keine feste Quote für den privaten Sektor geben. Unternehmen, die nachweislich eine diskriminierende Einstellungspolitik verfolgen, müssen jedoch mit Repressionen rechnen. So könnten sie ihre Zulassung zu öffentlichen Ausschreibungen verlieren.

Historische Schuld tilgen

Es sei ein persönliches Anliegen von Staatspräsidentin Dilma Rousseff, der in der Vergangenheit stets benachteiligten afrobrasilianischen Bevölkerungsgruppe fairere Chancen für den sozialen Aufstieg zu bieten, verlautete aus Regierungskreisen. Dadurch biete sich die Gelegenheit, eine historische Schuld gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe zu tilgen, so Rousseff. Afro-Brasilianer, die rund die Hälfte aller 190 Millionen Brasilianer ausmachen, führen in dem südamerikanischen Land die Armutsstatistiken an. Im Gegensatz zur weißen Bevölkerungsgruppe sind ihre Aufstiegschancen innerhalb der Gesellschaft äußerst begrenzt, was oft am fehlenden Zugang zu kompetenten Bildungseinrichtungen liegt.

Staatliche Stipendien für benachteiligte Studenten

Aus diesem Grund hatte die Regierung erst vor wenigen Wochen eine Zulassungsquote für Afro-Brasilianer und Indigene an den staatlichen Universtitäten eingeführt. Diese Studenten müssen dabei von staatlichen Schulen, und nicht von oft teuren Privatschulen, kommen. So werden 50 Prozent aller Studienplätze an diese Bevölkerungsgruppen zugeteilt. Davor wurden die Plätze durch ein strenges Auswahlverfahren vergeben, in dem die von teuren Privatschulen kommenden weißen Schüler in der Regel die vorderen Plätze belegten.

Die Universitäten haben vier Jahre Zeit, die 50 Prozent-Marke zu erreichen. Für 2013 müssen als erster Schritt 12,5 Prozent aller Studienplätze für diese Gruppen reserviert werden. Zudem sollen schwarze und indigene Studenten aus einkommensschwachen Familien leichteren Zugang zu Staatsstipendien bekommen. Auch der Zugang zu Auslandsstipendien soll für diese Studenten erleichtert werden.

Studienerfolge der "Quoten-Studenten" sollen analysiert werden

Die Quotenregelung für öffentliche Universitäten ist nicht unumstritten; hatten zahlreiche Sozialbewegungen doch stets eine am Elterneinkommen orientierte Sozialquote gefordert. Damit wäre der Zugang von aus einkommensschwachen Familien stammenden Jugendlicher zu den staatlichen Universitäten zu garantieren. Zudem fürchtet man an den Universitäten, dass die über die Rassenquote ins Studium "gerutschte" Studenten nicht den Anforderungen gerecht werden könnten. Die Folge wäre dann entweder eine hohe Zahl von Studiumsabbrechern oder aber eine Niveauverflachung der Kurse. Die Regierung hat bereits angekündigt, das Abschneiden der "Quoten-Studenten" über Jahre statistisch begleiten und analysieren zu wollen.

Autor: Thomas Milz

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff plant eine Quote für Afro-Brasilianer im öffentlichen Dienst. Foto: Flickr/redebrasilatual