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Die Wirtschaftskrise aus dem Ausland

Wenn Migranten ihre Arbeit verlieren, müssen die Ehefrauen für weniger Geld Doppelschichten machen. Das ist nur ein Ergebnis einer Studie zur Arbeitslage von Migranten. Die Wirtschaftskrise in den USA und Europa zeigt ihre Wirkung jetzt indirekt in Lateinamerika.

Eine Anfang der Woche vorgestellte Studie der »Organisation Amerikanischer Staaten« (OAS) zeigt die besondere Verletzbarkeit von Migranten aus Lateinamerika durch die Krisen in den Wirtschaftszentren USA und Europa. Vor allem Frauen aus den Ländern Lateinamerikas sind »während der Rezessionen am schwersten betroffen«, stellt der Bericht mit dem Titel »Internationale Migration in den Amerikas« fest. Krisenbedingte Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten und Europa treffe zuerst Arbeiter aus Lateinamerika, so die erste OAS-Studie zum Thema Migration und Krise, ausgearbeitet von der UN-Wirtschaftskommission für Karibik und Lateinamerika und dem neu geschaffenen »Berichtssystem über internationale Migration in den Amerikas« (SICREM) unter dem Dach der »Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit« (OECD).

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und überraschen kaum: Krisen treffen zuerst die Schwächsten der Gesellschaft. Die Arbeitslosigkeit bei »im Land geborenen« Arbeitern im Krisenjahr 2009 stieg im Vergleich zu 2006 von 6,7 auf 9,1 Prozent, bei »Arbeitsimmigranten« von 5,3 auf 13,8 Prozent im selben Zeitraum. Immigranten aus anderen Ländern wurden weniger zahlreich entlassen. In Osteuropa zum Beispiel stieg die Arbeitslosen-Rate im Durchschnitt nur um 3,5 Prozent. Besonders häufig wurden Arbeiter ohne hohe Bildung entlassen. 15 Prozent der Immigranten aus Ländern mit einem niedrigen Bildungsniveau wie Bolivien, Ecuador und Kolumbien verloren im Ausland ihren Job.

Weniger Geld in die Heimat

Die daheimgebliebenen Familien bekommen die Entlassung sofort zu spüren. So gingen die Rücküberweisungen der Latino-Migranten (Remesas) zwischen 2008 und 2009 gen Karibik und Lateinamerika im Schnitt um 12 Prozent zurück, in Mexiko sogar um mehr als 18 Prozent. Dass es sich bei den Migranten um reine Wirtschaftsflüchtlinge handelt, zeigt der sofortige Einbruch in den Einwanderungszahlen Richtung Norden. Seit Beginn der US-Rezession 2007 machten sich durchschnittlich eine Viertel Million weniger Latinos auf den Weg ins »Land der unbegrenzten Möglichkeiten«.

Schwer wird das Leben für die schon Ausgewanderten. Verlieren die Männer ihre Arbeit, so sind die Frauen gezwungen, ihre Arbeitskraft auf dem kriselnden Arbeitsmarkt anzubieten. Dabei übernehmen sie wegen des ökonomischen Drucks, der auf der Familie lastet, vor allem Jobs als Reinigungskräfte oder Alten- und Krankenpflegerinnen, die zum Niedriglohnsektor zählen. In Zeiten der Wirtschaftkrise würde dieser »Effekt der zusätzlichen Arbeitskraft« die Beschäftigungszahlen von Frauen in die Höhe schnellen lassen und über der der Männer liegen, erklären die Wirtschaftsexperten. Zur Arbeit mit Kind, Herd und Waschmaschine kommt so der Job in fremden Haushalten, Kliniken und Altenheimen.

Magere Aussichten für die nächsten Jahre

Die Verfasser der Studie vermuten, dass sich der Trend in nächster Zeit fortsetzen wird. Hoffnung mache allein die »aktuelle demographische Situation« in den westlichen Gesellschaften. Die »wachsende Zahl der Rentner in den Ländern Europas und den USA könnte ohne Zweifel zur Stimulierung beitragen«, heißt es im Bericht.

Autor: Benjamin Beutler