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Die christlichen Voudou-Gläubigen

Der Voudou-Glaube hat seine Wurzeln in Afrika und ist durch afrikanische Slaven im 15. Jahrhundert auch nach Haiti gekommen. Keli Kpedzroku kommt usprünglich aus Westarika und hat einige Rituale und Informationen zur Voudou-Religion auf einem Lateinamerikatag in Bamberg bei der Eröffung der Adveniat-Spendenaktion vorgestellt. Er ist Mitarbeiter des "Fenster zur Welt" bei der Katholischen Stadtkirche in Nürnberg. Das Interview führte Julia Mahncke.

Was ist Voudou?

Voudou ist nicht nur eine Religion sondern eine Lebensart- und weise. Und diese Religion wird in Westafrika, also in Togo, Benin und Westafrika praktiziert. Die Voudou-Anhänger verehren ein oberstes Wesen, den Schöpfer alles Existierenden. Es gibt einen mächtigen Gott, wie im Christentum. Es gibt aber noch andere Götter. Das sind Geister, die eine Verbindung zwischen dem mächtigen Gott und den Menschen herstellen können. Die Voudou-Anhänger denken, dass der eine Gott weit weg ist. Ihn kann man nicht sehen und die Vermittler zwischen dem mächtigen Gott und den Menschen sind diese Geister. Für Christen sind das Engel.

Wie sieht die Religion im Alltag aus?

Die Voudou-Anhänger beten auch und ich denke, sie beten manchmal mehr als manche Christen. Als ich noch in Togo war, haben sie schon um fünf Uhr Glöckchen gespielt und angefangen zu beten. Wenn sie das nicht machen, werden sie vom Voudou bestraft.

Was meinen Sie mit Bestrafung?

Entweder werden sie krank oder sie müssen sterben, wenn sie etwas nicht richtig gemacht haben und der Gott oder der Geist zornig ist.

Wir kennen ja aus Filmen die Voudou-Puppen, in die man Nadeln hineinsteckt, um anderen zu schaden. Woher kommt dieses Ritual, dass bei uns immer wieder als Merkmal von Voudou auftaucht?

Ja, man verwechselt Voudou mit Scharlatanen oder Fetisch, aber das ist nicht das Gleiche. Ich weiß, dass Voudou-Priester genauso Harmonie, Liebe oder Gesundheit bringen können. Sie können auch Unglück und Leid bringen, aber man sollte nicht denken, dass ein Priester direkt jemanden tötet.

Aber woher kommt die Puppe mit den Nadeln? Gibt es die wirklich?

In Afrika denkt man, ein Mensch besteht nicht nur aus Fleisch, Knochen, Blut und Wasser, sondern der Mensch hat auch andere Dimensionen. Die Voudou-Priester wissen genau, wo sie die Nadeln einstecken können, um das Herz einer Person zu treffen und wie man jemanden töten kann. Voudou-Puppen existieren schon. Es gibt aber böse und gute Geister und es kommt darauf an, mit welchen Geistern man es zu tun hat.

Wie viele Menschen glauben in Haiti an Voudou?

In Haiti sind fast 80 Prozent römisch-katholisch getauft, aber circa 75 Prozent vertreten den Voudou-Glauben und können sich von diesem Kult nicht trennen. Das gehört dazu. Sie rezitieren katholische Gebete, die Litanei, machen Prozessionen und trotzdem glauben sie gleichzeitig auch an Voudou. In Westafrika ist das nicht der Fall.

Ein Teil der Voudou-Religion ist der Trance-Zustand. Sie haben bei Ihrem Vortrag Fotos aus Haiti gezeigt, auf denen man Frauen sieht, die zusammenbrechen und in Trance sind. Wie versetzt man sich in Trance?

Das ist unbewusst. Es passiert zum Beispiel durch Trommelrhythmen. Der Geist hat den Körper des Menschen in dem Moment in seiner Macht. Der Mensch kontrolliert seinen Geist und Körper nicht mehr. Er weiß hinterher nicht mehr, was er gemacht hat. Das kann man nicht erklären. Trance kann man durch Tanz, Gesänge und Trommelrhythmen provozieren – je nachdem was man durch die Zeremonie erreichen will.

Wie wird man Voudou-Priester?

Es wird von Vater zu Sohn weitervermittelt. Es gibt keine Aufzeichnungen oder Bücher, mit denen man lernen könnte Priester zu sein. Man kann schon einige Jahre in einen Tempel gehen, um dazu zu lernen, aber es gibt keine Schule dafür. Die Macht kann man nicht jedem weitergeben. Frauen können übrigens auch Priesterinnen werden. Sie haben das gleiche Wissen wie Männer.

Welche Rolle spielt Voudou in der Politik Haitis?

In der Zeit der Duvalier-Diktatur haben die Priester die Regierung unterstützt. Die Politiker haben Schutz gebraucht und wussten, dass sie diesen durch einen Voudou-Priester bekommen konnten. Das sind unsichtbare Kräfte, die man verwenden kann um sich gegen böse Kräfte zu schützen. Wir beten um etwas zu bekommen, um gesund zu bleiben oder bevor wir irgendwo hinfahren.

Bekommt man den Schutz durch Beten im Tempel?

Nein, ich beauftrage einen Voudou-Priester, der den Schutz für mich schafft. Der braucht von mir Geld um eine Ziege oder Hühner oder Alkohol zu kaufen und dann kann er mich gegen böse Geister zu schützen.