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Deutsches Unternehmen macht aus Biomasse grünen Strom

„Kuba hat alles, was es braucht, um im Bereich Erneuerbare Energien voranzukommen: Sonne, Wind und Unmengen an Biomasse aus landwirtschaftlichen Abfällen“, sagt Wolfgang Krug. „Nur am Geld fehlt es.“

Wolfgang Krug in Vietnam, wo die Firma auch aktiv ist. (Foto: Andreas Knobloch)

Krug ist Geschäftsführer der Prolignis AG aus Ingolstadt, einer Projektentwicklungsgesellschaft für Erneuerbare Energien. Zusammen mit dem Maschinenbauer LAWI Engineering aus Kiel hat der das Konsortium EnerCu gegründet, um ein CO2-neutrales Biomasseheizkraftwerk in der Provinz Cienfuegos bauen. Mit im Boot ist zudem Martin Sander von World Latin Business, ein „Biomasse-Haudegen“, wie ihn Krug nennt, der in 45 Ländern – von Kongo bis Peru – Energieprojekte umgesetzt hat.

Kuba hat in den letzten Jahren systematisch in den Bereich erneuerbare Energien investiert. Mehrere Windparks und Solaranlagen sind entstanden. Aktuell basiert die kubanische Stromerzeugung insbesondere auf Ölimporten aus Venezuela. Doch die sind aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Krise in Venezuela eingebrochen. Wachsender Tourismus und Privatwirtschaft sorgen auf der anderen Seite für eine steigende Nachfrage. Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, plant Havanna, bis 2030 ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Davon wiederum sollen knapp 60 Prozent aus Biomasse gewonnen werden.

Neue Kraftwerke geplant

Aus diesem Grund plant die Regierung in Havanna insgesamt rund 20 neue Biomasse-Heizkraftwerke in direkter Nachbarschaft zu Zuckermühlen zu errichten. Die Zuckerrohrindustrie produziert Tonnen von organischen Abfallstoffen, also Biomasse, die energetisch genutzt werden kann. „Schon heute wird Strom und Dampf für Zuckermühlen aus den Bagassen genutzt“, sagt Krug. Bagassen sind die faserigen, gemahlenen Überreste bei der Zuckerherstellung. „Aber in alten Kesseln. Und die laufen auch nur während der sechsmonatigen Erntezeit. In der Nicht-Erntezeit stehen die Kessel still.“ Dies will EnerCu ändern. Neben Zuckerrohrabfällen soll eine nicht heimische Strauchart (Marabú), welche in Kuba bereits als Plage gilt, als zusätzlicher Brennstoff verwendet werden, um das geplante Biomasse-Kraftwerk ganzjährig zu nutzen. Hochmoderne Filtertechnik sorgt für eine emissionsfreie Verbrennung. Der überschüssige Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist werden. „Unser Kraftwerk kann ein paar Zehntausend Haushalte mit Strom versorgen“, sagt Krug. „Und das ganzjährig.“ Etwas, was Kuba dringend benötige.

So funktioniert das Geschäft

Das Geschäftsmodell ist einfach: Die kubanische Regierung stellt alte Zuckerrohrflächen, die heute mit Marabú bewachsen sind, und die Konzession zur Abholzung, sowie die Zuckerbagasse zur Verfügung; die deutschen Mittelständler Technologie und Investitionen. Dafür erhalten sie später einen festen Tarif für den eingespeisten Strom. „Ein fairer Deal von den Kubanern“, wie Krug findet. In Brasilien, wo Prolignis auch aktiv ist, wird der Preis über ein Auktionsverfahren ständig neu bestimmt. Ein fester Tarif erhöhe natürlich die Planungssicherheit, so Krug.

Ein erstes Biomasse-Kraftwerk eines schottisch-chinesisch-kubanischen Joint-Ventures (Biopower) geht demnächst in Ciro Redondo in der Provinz Ciego de Ávila ans Netz. Die nötigen Investitionen kamen aus China. Shanghai Electric Group beteiligte sich an dem Bau des Kraftwerks. Oft aber bleiben die Projekte in der Entwicklungsphase stecken. Das hat mit den oft schwierigen Finanzierungsbedingungen zu tun. Seit fast sechzig Jahren leidet Kuba unter der Wirtschafts-, Finanz- und Handelsblockade durch die USA. Deren Bestimmungen betreffen auch Drittstaaten. Von US-Gerichten in der Vergangenheit verhängte Milliardenstrafen gegen Banken und Unternehmen, die mutmaßlich gegen die Blockadebestimmungen verstoßen haben, lassen potentielle Investoren vorsichtig agieren. Deutsche Banken beispielsweise lassen sich nicht mehr auf Kuba ein, seitdem die Commerzbank im Mai 2015 – fünf Monate nach der Verkündung der Aufnahme bilateraler Verhandlungen zwischen den USA und Kuba – wegen Geschäften mit Kuba aufgrund der Blockadegesetzgebung in den USA zu einer Strafe von 1,7 Milliarden US-Dollar verdonnert wurde. Kuba selbst steckt in Zahlungsschwierigkeiten; von deutscher Seite wiederum fehlt es an öffentlicher Entwicklungsfinanzierung.

Ein ganz besonderer Markt

Rund 70 Millionen US-Dollar Investitionssumme veranschlagt Krug für das Biomasse-Kraftwerk. „Derzeit verhandeln wir mit Investoren weltweit, um Geldgeber für dieses attraktive, grüne Projekt ins Boot zu holen“, sagt er. „Es ist ein intelligenter Plan, der auf einem fairen Tauschgeschäft basiert.“ Warum er trotz der Hindernisse am Ball bleibt? „Der Reiz des Anderen. Als kleines Unternehmen suchen wir Nischen – dort, wo die Großen nicht hingehen.“ Und Kuba sei ein ganz besonderer Nischenmarkt, aber auch eine Herausforderung. „Alles dauert hier etwas länger, aber unser Projekt könnte sofort umgesetzt werden.“ 
 

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