Bolivien |

Der Traum vom Batteriegeschäft

Ein Kooperationsvertrag zwischen Bolivien und Südkorea könnte für das südamerikanische 10-Millionen-Einwohnerland zum Glücksfall werden. Das vor wenigen Tagen unterzeichnete 50:50-Joint-Venture-Abkommen sieht Investitionen in Höhe von drei Millionen US-Dollar vor und soll den Grundstein für die Verarbeitung der weltweit größten Lithium-Vorkommen im bolivianischen Salar de Uyuni legen. Schätzungen zufolge liegen in dem Salzsee auf über 4000 Meter Höhe mehr als 5,4 Millionen Tonnen des »Weißen Goldes«, über die Hälfte der weltweiten Reserven des stark nachgefragten Grundstoffes für aufladbare Akku-Batterien.

»Partner, keine Chefs«

Das Gemeinschaftsunternehmen zwischen Boliviens staatlicher Bergbaufirma COMIBOL und dem südkoreanischen Konsortium KORES-POSCO sieht im Hochland-Departamento Potosí den Bau einer Pilotanlage zur Herstellung von Lithium-Kathodenmaterial von Lithium-Ionen-Akkus vor, so Informationen des bolivianischen Bergbau-Ministeriums. Daneben wurde ein weitreichender Technologie-Transfer nach Bolivien, Ausbildung bolivianischen Fachpersonals, gemeinsame Forschung und Entwicklung zur Batterie-Produktion sowie eine Machbarkeitsstudie über die weiteren Industrialisierungsschritte vereinbart. Der spätere Verkauf jeglicher Produkte, so Boliviens Linksregierung, verbleibe jedoch weiter voll in staatlicher Hand. Die regierende »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) hatte nach ihrem ersten Wahlsieg 2005 eines ihrer wichtigsten politischen Versprechen abgegeben. »Partner, keine Chefs« lautet die neue Devise in Verhandlungen mit möglichen Investoren. Sich über den Tisch ziehen lassen will man sich in La Paz nicht mehr. Ein Blick ins Nachbarland Argentinien zeigt, wie es nicht gehen soll. Hier zahlen ausländische Multis nur zwei Prozent an Abgaben für den Lithiumabbau.

Pilotanlage für Batterieteile

Und das neue Selbstbewusstsein auf dem Weltmarkt scheint erste Früchte zu tragen. Die Pilotanlage könne »einen der größten Träume wahrwerden lassen, die das Land hat«, erklärte COMIBOL-Chef Héctor Córdova. Boliviens sei durch die geplante »Fabrik für Forschung und Ausbildung« erstmals in der Lage »auf technologischer Ebene Schritt für Schritt unabhängiger zu werden«, so Córdova nach der Unterzeichnung Ende vergangener Woche. Auch Boliviens Bergbauminister Mario Virreira unterstrich die Wichtigkeit des Joint-Ventures mit POSCO, dem weltweit viertgrößten Stahlgießer aus Asien und den vier Firmen der »Korea Resources Corporation« (KORES) LG International Corporation, Kyungdong Corporation, Union Corporation und Aju Corporation. »Für Bolivien ist das ein bedeutender Schritt«, sagte Virreira, »in der Industrialisierung des Lithiums auf mittlere und lange Sicht voranzukommen, das ist Staatsinteresse«. Über die Industrialisierung seiner Bodenschätze will das rohstoffreiche Bolivien seine historische Rolle als Rohstoff-Lieferant für den Weltmarkt hinter sich lassen. Das Abkommen sei »Ergebnis harter und langer Verhandlungen«, so die bolivianische Seite.

Lithiumhunger in Südkorea

Schlussendlich sei das gemeinsame Projekt im Sinne beider Länder, hoben die Vertreter aus Südkorea hervor. KORES ist ein staatlich geleiteter Firmenzusammenschluss zur Sicherung der nationalen Rohstoffversorgung, der 30000-Mitarbeiter-Multi POSCO ist zu 20 Prozent in Staatshand, über 50 Prozent werden von internationalen Investoren gehalten. Das Hochtechnologie-Land ist wichtigster Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus und importiert pro Jahr über 12000 Tonnen Lithiumcarbonat aus Argentinien und Chile, beides Länder des »Lithium-Dreiecks« in Südamerikas Anden. Seit der Wahl von Boliviens Linksregierung Ende 2005 hatte die KORES-POSCO-Führung in Duzenden Gesprächen die Klinken in La Paz geputzt. Bewegung kam in die Verhandlungen, nachdem Lee Sang-deuk, Bruder von Südkoreas Staatschef Lee Myung-bak, Boliviens Präsident Evo Morales persönlich nach Südkorea eingeladen hatte.

Ausverkaufsverbot in der Verfassung

In Boliviens neuer Magna Charta von 2009 hat die Industrialisierung der Bodenschätze – Wertschöpfung von Eisenerzen, Gas, öl und Lithium statt Ausverkauf der natürlichen Ressourcen –Verfassungsrang. Im Rennen um den »Schatz von Uyuni« haben die Südkoreaner die Konkurrenz aus China, USA, Finnland, Schweiz und Frankreich auf die Plätze verwiesen. »Wir haben Bolivien gegenüber viel Freundschaft und Respekt, darum werden wir für den Nutzen beider Nationen arbeiten«, freute sich Konsortium-Präsident Kim Shin Joon.

Autor: Benjamin Beutler

Von Benjamin Beutler erschien 2011 (Rotbuch Verlag) das Buch »Das weiße Gold der Zukunft: Bolivien und das Lithium»

Das Andenland verfügt über die weltweit größten Lithiumvorkommen. Foto: Flickr/Miradas.com.br