Mexiko |

Der linke "Tropenmessias" mit konservativen Werten

Andrés Manuel López Obrador geht als Favorit in die Präsidentenwahl. Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/agenciaandes_ec/36186836092/in/photolist-X8GZD7-8DY3tp-avhws4-avkbTj-bDJRDj-cn78ZC-5BwYg-c7bTUw-bN9mCD-4ZQF7N-5LSeaM-5LS55R-8E2eg9-5LSbXP-5wy2c5-c4RAT3-avhxpz-avhwyV-c4RAtC-75A7eP-cn6Azb-wVVUE-c2Zj4S-75A75M-iSk6Y-75DYfC-75DYmQ-cn6Wns-4rXt7v-c2CZth-c4RzYj-c2BVJm-c2BUU1-c2BVgf-c2BWfj-cn7Bnh-c2BWaA-c2BVE7-c7qkAL-SyL3-cn8tYf-ckQfnb-bzeF4u-4Gn8ig-bSsYFF-xjPfP-Tsd4-Tsdx-bECTYJ-bxQcu9" target="_blank" title="Opens external link in new window" external="1">Amlo</a>, <a href="https://www.flickr.com/photos/agenciaandes_ec/" target="_blank" title="Opens external link in new window" external="1">ANDES/Micaela Ayala V</a>., <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de" target="_blank" title="Opens external link in new window" external="1">CC BY-SA 4.0</a>, Zuschnitt</p>
Andrés Manuel López Obrador geht als Favorit in die Präsidentenwahl. Foto: Amlo, ANDES/Micaela Ayala V., CC BY-SA 4.0, Zuschnitt

Der Mann, der Mexiko revolutionieren will, ist 64 Jahre alt, hat dichtes silbernes Haar, eine schrille Stimme und ein Durchhaltevermögen, das selbst seinen Gegnern Respekt abnötigt.

Andrés Manuel López Obrador, kurz Amlo, bestreitet seinen dritten Präsidentschaftswahlkampf am Stück. Seit zwölf Jahren ist er praktisch im Wahlkampfmodus. Schon 2006 war der Linkspolitiker fast am Ziel, wurde aber auf der Zielgerade vom konservativen Kandidaten Felipe Calderón abgefangen. Über der Wahl hängt allerdings bis heute der Verdacht des Betrugs zuungunsten von Amlo.

Nun aber steht López Obrador kurz davor, sich seinen politischen Lebenstraum zu erfüllen, den er schon hegte, als er im tropischen und armen Bundesstaat Tabasco in einfachen Verhältnissen heranwuchs. Ganz nebenbei würde er, sollte er am Sonntag die Wahl gewinnen, Mexiko einen epochalen Wechsel bescheren. Ein linker Kandidat, der nichts weniger als fundamentale Veränderungen verspricht. Und er hat laut allen Umfragen beste Chancen, das zweitgrößte Land Lateinamerikas und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region zu regieren. Die Wut der Mexikaner auf und der Frust über die Regierungen der Mafia- und Korruptionspartei PRI und der konservativen PAN sind so groß, dass viele Amlo einfach aus purer Verzweiflung wählen. Schlimmer, so die Annahme, könne es ja ohnehin nicht mehr kommen. Unternehmer und Machteliten hingegen fürchten, López Obrador werde das liberale Wirtschaftsmodell in Frage stellen, mit dem sie bisher so gut gelebt haben und das der einen Hälfte des Landes zu Wohlstand verholfen hat.

Gelebte Bescheidenheit

Korruption und Sicherheit sind die Themen, die den Mexikanern die meisten Sorgen bereiten. Und zumindest beim Thema Bestechlichkeit besteht bei López Obrador wirklich Hoffnung. Niemand hat ihm bisher Vorteilsnahme vorwerfen können. Seit Jahren wohnt er in einem Mittelklasseappartement im Süden von Mexiko-Stadt. Als Bürgermeister der Metropole zwischen 2000 und 2005 fuhr er ein einfaches Auto. Er lebt die Bescheidenheit vor, die er predigt. Und das ist in einem Land schon sehr viel, in dem die Regenten gerne einen Lebensstil pflegen, der an den der Vize-Könige zu Kolonialzeiten erinnert.

López Obrador sei der einzige Kandidat, der wirklich am Status quo etwas ändern und für die 50 Prozent Armen und Ausgeschlossenen in Mexiko Politik machen wolle, sagt der Analyst Jorge Zepeda Patterson. „Er hat einen komplizierten Charakter, hat in seiner Karriere mehr Niederlagen als Siege errungen, aber er ist weder ein Chávez noch ein Maduro“. Amlo sei vielmehr ein Politiker, der die 50 unsichtbaren Prozent der mexikanischen Gesellschaft in den Vordergrund rücken wolle. Das aktuelle Wirtschaftsmodell schließe die Armen und Hungrigen aus und diejenigen, die im informellen Sektor der Volkswirtschaft arbeiten. Auch die Bauern sind marginalisiert. All jenen verspricht Amlo eine Verbesserung ihrer Situation.

Mit einer Amnestie für Kleinkriminelle gegen die Kartelle

Allerdings macht López Obrador auch Versprechen, die sich kaum halten lassen. Er will den kleineren Mitgliedern der Drogenkartelle eine Amnestie anbieten und behauptet, den bürgerkriegsähnlichen Krieg des Staates gegen das Organisierte Verbrechen in drei Jahren zu beenden. Unter anderem das hat ihm schon den Beinamen „Tropenmessias“ eingebracht.

López Obrador ist kein klassischer Linker moderner Prägung. Experten halten ihn viel mehr für einen typischen Politiker, der sich an der mexikanischen Revolution orientiert. Er ist in der Form eher autoritär und hierarchisch, Zivilgesellschaft ist ihm suspekt. In sozialen Themen wie Schwangerschaftsabbruch und gleichgeschlechtlicher Ehe ist Amlo konservativ. Um dieses Mal die Wahl auch wirklich zu gewinnen, hat er sich sich mit einer evangelikalen reaktionären Partei verbunden. Auch das Thema Menschenrechte, das in Mexiko immer größere Bedeutung erlangt, interessiert ihn nur am Rande.

Wahlversprechen ohne konkrete Konzepte

Während sich López Obrador in den Wahlkämpfen 2006 und 2012 klar auf Positionen festlegte, sind dieses Mal konkrete Ansagen zur Umsetzung seiner Versprechen Mangelware. Er sagt, dass alleine der Kampf gegen die Korruption ihm ein Budget von umgerechnet 215 Millionen Euro zusätzlich erbringe. Aber wie und wo er das Geld einsparen will, verrät er nicht. So bleibt an vielen Punkten rätselhaft, für was der mögliche künftige Präsident Mexikos wirklich steht.

Autor: Klaus Ehringfeld