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Der "Leuchtende Pfad" gibt sich nicht geschlagen

Als das peruanische Militär vor knapp zwei Monaten den letzten aktiven Anführer des „Leuchtenden Pfads“ Florindo Eleuterio Flores, genannt Artemio, festnahm, erklärte Präsident Ollanta Humala die Guerilla für besiegt. Die Festnahme stellte das Ende einer Ära der Gewalt in dem südamerikanischen Land dar. Nun haben die verbleibenden Guerillamitglieder 43 Arbeiter einer Gasfabrik in der Nähe von Cusco gefangengenommen. Sie fordern 10 Millionen US-Dollar Lösegeld.

Der Leuchtende Pfad stelle keine Gefahr mehr für die Stabilität Perus dar. Dies verkündet der Präsident Ollanta Humala vor einer Woche. Nach der spektakulären Festnahme von Kamerad Artemio im Februar gelang es dem peruanischen Militär zu Beginn dieses Monats weitere Guerillamitglieder festzunehmen. „Dies ist eine Bestätigung des Sieges gegen die Überreste des Leuchtenden Pfads“, so Humala in einer Pressekonferenz Ende vergangener Woche, „ die Niederlage ist absolut“.

Dass die verbleibenden Mitglieder der Guerilla nicht mehr schlagkräftig genug sind, um das ganze südamerikanische Land zu destabilisieren, ist sicherlich richtig. Am Montag nahmen die Rebellen jedoch im Tal der Flüsse Apurimac und Ene (VRAE) 43 Arbeiter der schwedischen Firma Skanska gefangen. Die Geiseln sind nach Angaben lokaler Medien in den Dschungel verschleppt worden. Lediglich zwei von ihnen wurden frei gelassen, um die Lösegeldforderungen der maoistisch geprägten Gruppe zu überreichen. Der „Leuchtende Pfad“ fordert eine Zahlung von zehn Millionen US-Dollar für die Freilassung der Geiseln.

Das Staatsoberhaupt Humala hat daraufhin am Mittwoch einen 60 Tage andauernden Notstand für die Provinz La Convención ausgerufen. Die Ereignisse erfordern ein sofortiges Eingreifen des Staates, um die ansässige Bevölkerung vor den Terroristen zu schützen, hieß es in der Mitteilung der Regierung. 1.500 Soldaten aus Lima erreichten heute die Region, um das Gebiet abzuriegeln. Nach Angaben des peruanischen Verteidigungsministeriums wolle man die Guerilla so isolieren. Zurückhaltung und Diskretion stünden bei einer solchen Operation allerdings an erster Stelle. Ob das Unternehmen Skansak bereit ist, mit dem „Leuchtenden Pfad“ zu verhandeln, ist bisher nicht bekannt.

ökonomische oder politische Interessen?

Auch wenn die hohe Lösegeldsumme vorerst hauptsächlich wirtschaftliche Interessen hinter der Geiselnahme vermuten lässt, so stehen laut dem Experten Rúben Vargas jedoch höchstwahrscheinlich politische Motive im Vordergrund der Aktion. „Der „Leuchtende Pfad“ will mit der Gefangennahme von mehr als 40 Menschen demonstrieren, dass er nicht vollständig besiegt ist und dass die Organisation nach wie vor einen Teil von Peru kontrolliert“, so Vargas. Zwar hätten die jüngsten Festnahmen die Guerilla extrem geschwächt, sie wollen aber zeigen, dass sie es sind, die die Spielregeln im VRAE bestimmen. Einen ähnlichen Vorfall habe es bereits im Jahr 2003 gegeben. Damals nahm der „Leuchtende Pfad Arbeiter der Firma Camisea gefangen.

Die Organisation entstand in den 1960er Jahren aus einer Studentenbewegung, die gegen die schlechten Lebensbedingungen in der Region Ayacucho kämpfte-eine der ärmsten Regionen des Landes. Ihr Anführer Abimael Guzmán war durch eine Reise zutiefst geprägt von den Ideen Maos und der chinesischen Kulturrevolution. Die Gruppe ging in den 1980er Jahren in den Untergrund und verübte erste Sabotageakte. Ihr Ziel war die komplette Erneuerung des peruanischen Systems.

Zwischen 1980 und 1992 überzog der „Leuchtende Pfad“ das südamerikanische Land mit Gewalt. Die Gruppierung verübte Anschläge, unterwarf die Zivilbevölkerung in den von ihr kontrollierten Gebieten auf brutalste Art und Weise und verübte zahlreiche Morde. Die damalige Regierung unter Alberto Fujimori reagierte mit der Erklärung des landesweiten Notstands und der Entsendung militärischer Truppen. Peru befand sich im Bürgerkrieg. 70.000 Menschen fielen dem bewaffneten Konflikt zum Opfer.

Allianz mit dem Drogenhandel

1992 wurde Abimael Guzmán festgenommen und drei Jahre später zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwar verloren die Rebellen anschließend schnell an Schlagkraft-mehr als 6000 Kämpfer folgten dem Aufruf der Regierung und gaben ihre Waffen ab- einige hundert von ihnen setzen den Kampf allerdings bis heute fort. Sie habrn neue Allianzen mit dem Drogenhandel geschlossen, um sich zu finanzieren und nicht komplett an Bedeutung zu verlieren. Nach Angaben der peruanischen Regierung erhält die Guerilla Geld von Drogenhändlern, um den Anbau im VRAE zu gewährleisten und die Antidrogeneinheiten anzugreifen.

Text: Anna-Maria Jeske