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Der Blick herab auf den Nachbarn

Brasilianische Medien pflegen in ihrer Berichterstattung Vorurteile und Stereotypen über Paraguay. So stellen Zeitungen das Nachbarland als Hort der Unmoral dar und das Fernsehen suggeriert einen systematischen Zusammenhang zwischen dem Schmuggel ausländischer Produkte und Gewalt, Korruption, Drogenherstellung- und handel oder dem Verschieben gestohlener Autos.

Vorurteile schon im Kaiserreich

Schon seit langem haben brasilianische Medien sich auf Paraguay eingeschossen. Die Tradition reicht sogar bis ins 19. Jahrhundert und die Zeit des brasilianischen Kaiserreiches zurück: Karikaturen verspotteten Paraguay und die Paraguayer und trugen somit zur Verbreitung von Vorurteilen bei.

Insofern knüpft die Gegenwart an die Vergangenheit an. Das extrem negative Bild, das von Paraguay gezeichnet wird, unterliegt mit der Zeit natürlich Veränderungen - im Kern wird aber immer auf eine angebliche Verderbtheit des Nachbarlandes abgestellt: dunkle Geschäfte, Fälschung etc. – Paraguay als unerwünschtes Land, schlichtweg das unfähigste in ganz Südamerika.

Großes Bildungsdefizit in Brasilien

Unter Fußballfans hat sich der Ausdruck „Caballo Paraguayo“ („paraguayischer Gaul“) eingebürgert: Er bezeichnet Mannschaften, die gut in ein Turnier starten, dann aber Niederlagen einstecken müssen, und schließlich auf dem letzten Platz landen. Selbst angesehene Zeitungen haben den abwertenden Begriff in ihr Vokabular aufgenommen und verwenden ihn auch für brasilianische Politiker. Dies alles ist sicher auch in Zusammenhang mit dem stark verbesserungsfähigen Bildungssystem in Brasilien zu sehen. So sind viele Brasilianer leicht zu manipulieren und lassen sich negative Meinungen über Paraguay einreden.

Jüdische Brasilianer haben ein Gesetz erreicht, das die Veröffentlichung antisemitischer Einstellungen ahndet. Paraguays Regierung könnte Brasilien dazu auffordern, entsprechend mit Diskriminierungen gegen das Nachbarland zu verfahren. Notfalls wäre die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte der Adressat. Denn hier geht es um Grundsätzliches: um die Würde eines Volkes. (bs)

Quelle: alai