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Dengue breitet sich in Lateinamerika aus

Während sich die Blicke nach China richten, hält das Dengue-Fieber Lateinamerika und die Karibik nach wie vor fest im Griff. Die Zahl der Erkrankten erreichte 2019 ein Rekordniveau von über drei Millionen Menschen. 

Guatemala Gesundheit Arzt Patient Adveniat

Ein Arzt untersucht eine Schülerin in Cobán, Guatemala. Die Gesundheitsstation ist der Schule angeschlossen. Foto: Adveniat/Achim Pohl

Allein zu Beginn des Jahres 2020 sind über 125.00 Fälle hinzugekommen. Mindestens 27 Menschen starben bereits. Heftige Ausbrüche des Dengue-Fiebers gab es in Honduras und Paraguay. Im vergangenen Jahr waren in ganz Lateinamerika 1.501 Tote zu beklagen. Das Virus wird von Stechmücken übertragen. Bislang gibt es weder Medikamente noch eine Impfung gegen Dengue. Der Website aerzteblatt.de zufolge werden auch in Deutschland jedes Jahr 600 bis 800 Fälle gemeldet. Zurückgekehrte Reisende haben sich meistens in Südostasien oder in Mittel- und Südamerika infiziert.

Kuba verstärkt Seuchenschutz an Flughäfen und Häfen 

Während in Asien, Australien, Europa und den USA die Angst vor dem Corona-Virus umgeht, bleibt Lateinamerika bislang offenbar verschont. Allerdings hat Kuba an seinen Flughäfen und Häfen die Seuchenschutzmaßnahmen erhöht. Die Insel hatte schon mit dem Zika-Virus zu kämpfen. Lateinamerikas große Sorge aber ist nach wie vor das Dengue-Fieber, dessen Ausbreitung im vergangenen Jahr ihren traurigen Höhepunkt erreichte. Den Zahlen der Plataforma de Información en Salud de las Américas (PLISA) zufolge waren von den fast 3,1 Millionen Fällen 27.881 schwerwiegend. Die Infektionszahlen der Epidemie aus dem Jahr 2015 wurde somit um 13 Prozent übertroffen. Brasilien ist am stärksten betroffen: Hier beträgt die Zahl der Dengue-Fälle rund 2,2 Millionen, 782 Menschen starben – mehr als die Hälfte der 1.501 Todesfälle in Lateinamerika. 

Uruguay von Dengue verschont

Dengue ist zudem in Mittelamerika stark verbreitet. In Nicaragua wurden über 186.000 Fälle gezählt, wohingegen in Uruguay 2019 kein einzige Fall bekannt wurde. Derzeit, während des Sommers auf der Südhalbkugel, herrschen ideale Bedingungen für die Vermehrung der Stechmücke 'Aedes aegypti', die das Virus überträgt: hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Experten sind sich einig, dass der Klimawandel auch hier fatale Folgen hat. Die Übertragung ist inzwischen in einem längeren Zeitraum des Jahres möglich als früher. Der Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ zufolge droht theoretisch weltweit zwei Milliarden Menschen eine Dengue-Infektion. Da eine Impfung nicht möglich ist, verstärken die Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder ihre Vorbeugemaßnahmen. Vor allem soll die Ausbreitung der Stechmücken verhindert werden. 

Zu Jahresbeginn hat Dengue eine Infektionswelle in Paraguay ausgelöst. Über 20.000 Menschen wurden infiziert, vier starben. Die Behörden prüfen 23 weitere Todesfälle auf die Ursache Dengue. Paraguays Präsident Mario Abdo Benítez musste selbst wegen einer Dengue-Infektion eine Woche lang die Amtsgeschäfte ruhen lassen. Die Hauptstadt Asunción hat für die Dauer von 90 Tagen einen Notstand ausgerufen. 

Paraguays Nachbarn kontrollieren an Grenzen stärker

In Mexiko betrug die Zahl der Dengue-Fälle im vergangenen Jahr fast 270.000, es starben 191 Menschen. Brasiliens Gesundheitsministerium warnt davor, dass Dengue ab März wieder stark zunehmen könnte - vor allem in allen neun Bundesstaaten, die Brasiliens Region Nordosten bilden, sowie in den Bundesstaaten Río de Janeiro und Espíritu Santo. Bolivien hat aus Furcht vor einer noch stärkeren Ausbreitung von Dengue die Kontrollen an der Grenze zu Paraguay verschärft. Auch Paraguays Nachbarländer Brasilien und Argentinien kontrollieren bereits intensiver den Grenzverkehr. (bs)