Bolivien |

Debatte um TIPNIS-Konsultation

Auch mehr als eine Woche nach offiziellem Abschluss einer Ende Juli 2012 begonnenen Volksbefragung im Indigenen Territorium Nationalpark Isiboro Sécure (TIPNIS) über den Bau einer Verbindungsstraße durch das 1,2-Millionen-Hektarareal debattiert Bolivien weiter über die Ergebnisse der Konsultation. Laut Protokoll der staatlichen Befragungsteams nahmen 58 (82 Prozent) der 69 indigenen Gemeinden im Amazonasgebiet an der Befragung teil. Davon hätten 55 Gemeinden (79 Prozent) für das Infrastruktur-Vorhaben gestimmt, berichtet die Tageszeitung La Razón.

Elf Gemeinden (16 Prozent) hatten aus Protest nicht an der Konsultation zur geplanten Straße zwischen dem Hochland-Departamento Cochabamba und Beni im Tiefland teilgenommen, erklärte das Ministerium für öffentliche Bauten in La Paz. »Wir anerkennen die Ergebnis nicht, die Befragung wurde mit List und Tücke durchgeführt«, bezweifelt Jenny Suárez, Mitorganisatorin der Anti-Straßenbewegung im TIPNIS die Rechtmäßigkeit der Konsultation. »Sie sagen elf Gemeinden waren gegen die Befragung, aus unserer Sicht waren 25 dagegen«, so Suárez in bolivianischen Medien.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kündigte einen eigenen Bericht über die Konsultation an. Enrique Reina, OAS-Vertreter in Bolivien, lobte die »gemachten Anstrengungen« zu mehr Indigenen-Beteiligung. Der Widerstand einiger Gemeinden gegenüber den Befragungsteams habe »Mängel« provoziert. Diese würden im OAS-Bericht zur Sprache kommen. Die ausstehende Ausarbeitung eines Konsultationsgesetztes könne ähnliche Konflikte künftig vermeiden, empfahl Reina. Auch die Katholische Kirche und der staatliche Ombudsmann für Menschenrechte kündigten eigene Evaluationen an.

Die sieben Meter breite Asphaltstraße wäre die erste Direktverbindung zwischen beiden Landesteilen. Um Umweltschäden zu verhindern kündigte die Regierung den Bau einer »ökologischen Straße« an. »Eine normale Straße fällt Bäume, eine ökologische nicht«, erwidert Vize-Präsident Álvaro García Linera auf Kritik zu möglichen Mehrkosten von 300 Millionen US-Dollar. Geplant sei unter anderem ein 17 Kilometer langes Viadukt über die Gipfel gefährdeter Amazonas-Riesen, so Regierungsangaben. »Diese Umweltgeschichte hört sich nach Disneyland an«, forderte der katholische Anthropologe Javier Albó ein Abwägen zwischen Kosten und Nutzen. (bb)