Bolivien |

Debatte um Gen-Pflanzen

Das »Gesetz zur Produktionsrevolution« hat in Bolivien eine Debatte über den Umgang mit genetisch manipuliertem Saatgut entfacht. Am Donnerstag stimmte die erste von zwei Parlamentskammern der Norm zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in dem Andenland zu, das einen großen Teil seiner Nahrungsmittel teuer aus dem Ausland importieren muss.

Kleinbauernverbände und Umweltschützer hatten eine Änderung des umstrittenen Artikel 15 gefordert. Dieser erlaubt die Nutzung von genetisch verändertem Saatgut, wenn es sich nicht um heimische Pflanzen wie Kartoffel und Tarwi (Andenlupine) handelt und Lebensmittelknappheit besteht.

88 Prozent der 780.000 Hektar Soja-Anbauflächen im Tiefland Santa Cruz sind laut Angaben des Departamento-Agrobusiness mit gentechnisch verändertem Saatgut bepflanzt. Eine Studie soll nun innerhalb der im Gesetz vorgeschriebenen Frist von 120 Tagen klären, ob Lebensmittel mit Gentechnik ein Gesundheitsrisiko bergen.

Der Vorsitzende der parlamentarischen Wirtschaftskommission, Luis Alfaro, versucht die Vorbehalte gegen die Gentechnik zu zerstreuen: »Wenn wir es schaffen, den heimischen Markt zu versorgen, wird es nicht nötig sein, genetisch veränderte Produkte zu nutzen«, heißt es in der Tageszeitung »El Cambio«.

»Wir werden dagegen vorgehen«, so die Hochland-Indigenenorganisation CONAMAQ und kündigte Proteste gegen Artikel 15 an. Der mächtige Bauernverband CSUTCB erklärte, man werde bis zur zweiten Lesung im Senat Position beziehen. Boliviens Außenhandelsverband IBCE begrüßte die Entscheidung. Würde man die Produktion von Gen-Saatgut verhindern, »machen andere das Geschäft«, so IBCE-Chef Gary Rodriguez.

Die Regierung kündigte derweil ein eigenes Gesetz zur Gentechnik im Agrosektor an, wo es bis zum heutigen Tag keinen Regelmechanismus gibt. (bb)