Kolumbien |

Das schwarze Gold von Catatumbo

In wenigen Jahren will das Unternehmen Geofisin-EU 800.000 Tonnen Steinkohle jährlich in der Region Catatumbo fördern. Das geplante Abbaugebiet in der nordöstlichen Provinz Santander liegt zu großen Teilen in Naturschutzgebieten und indigenen Territorien. Falls die beantragten Ausnahmegenehmigungen durchkommen, droht eine humanitäre und ökologische Katastrophe, warnt die Anwältin Judith Maldonado und ergänzt: Deutschland ist zweitgrößter Importeur des schwarzen Goldes aus Kolumbien.

Abbau von 800.000 Tonnen Kohle jährlich

In wenigen Jahren will das Unternehmen Geofisin-EU 800.000 Tonnen Steinkohle jährlich in der Region Catatumbo fördern. Das geplante Abbaugebiet in der nordöstlichen Provinz Santander liegt zu großen Teilen in Naturschutzgebieten und indigenen Territorien. Falls die beantragten Ausnahmegenehmigungen durchkommen, droht eine humanitäre und ökologische Katastrophe, warnt die Anwältin Judith Maldonado vom Anwaltskollektiv Luis Carlos Pérez. Aus einer Fläche von 1.500 Hektar soll dieser Ertrag im Tagebau herausgeholt werden, weitere multinationale Unternehmen planen den Kohleabbau in einem weiteren Gebiet von insgesamt 25.000 Hektar.

Deutschland zweitgrößter Abnehmer kolumbianischer Steinkohle

Kolumbien will bis 2019 ein Land des Bergbaus werden, das sei erklärtes Ziel der Regierung, so Maldonado. Die besonders wertvolle „thermische Kohle“ ist für den Export bestimmt. Derzeit werden 75 Mio. Tonnen Kohle jährlich in Kolumbien gefördert, bis 2019 soll der Ertrag auf 145 Mio. Tonnen gesteigert werden. „Ein Großteil der Kohle wird wahrscheinlich nach Hamburg verschifft werden“, erklärt Maldonado mit einem schiefen Lächeln. "Deutschland ist zweitgrößter Importeur der kolumbianischen Steinkohle.“

Die Anwältin Judith Maldonado und die Kleinbäuerin Gilma Téllez von der Organisation ASCAMCAT informieren derzeit die deutsche öffentlichkeit und die Politik darüber, dass Deutschland als Abnehmer der Kohle auch eine Mitverantwortung für die Arbeits- und Lebensbedingungen im Abbaugebiet trägt. Die sozialen und Umweltauswirkungen, so fürchten die beiden Frauen, werden verheerend sein.

Über 10.000 Kleinbauern ermordet

Die letzten zehn Jahre im geplanten Abbaugebiet waren von brutaler, paramilitärischer Gewalt geprägt. Über 10.000 Kleinbauern sind zwischen 1999 und 2004 ermordet worden, 600 sind bis heute verschwunden. Nach der vorgeblichen Entwaffnung des paramilitärischen Verbunds AUC zwischen 2004 und 2006 kehrten viele Vertriebene zurück, doch die Gewalt gegen die Bevölkerung ging weiter, nur die Akteure waren andere: Das Militär sowie neu entstandene, paramilitärische Einheiten.

Die Gruppe "Schwarzen Adler" etwa, führt gezielt Angriffe auf Mitglieder der Kleinbauernorganisation ASCAMCAT durch, die 2005 gegründet wurde. „Als wir merkten, dass auch nach der so genannten „Entwaffnung“ die Vertreibungsversuche weitergingen, haben wir uns zusammengeschlossen, um unser Land und die Biodiversität dieses Gebiets zu verteidigen“, erklärt Gilma Téllez, die hatte mit ihrer gesamten Familie fliehen müssen, nachdem ihr Bruder ermordet worden war. Die Anwältin Maldonado wurde auf offener Straße von Paramilitärs bedroht und angegriffen.

„Seit 2005 sind 68 Bauern ermordet worden, um sie dann als mutmaßliche Guerilla-Kämpfer zu präsentieren“, erzählt Téllez. Ziel sei die Vertreibung der Anwohner aus diesem Gebiet, in dem vornehmlich Indigene, Afrokolumbianer und Kleinbauern leben, ergänzt Maldonado. „Die geplante Kohleförderung betrifft nicht ein menschenleeres Gebiet, sondern das Land tausender Einwohner dieser Provinz.“

Genehmigung gefährdet sensible ökosysteme

Die ökologischen Folgen des geplanten Kohle-Tagebaus würden ebenfalls verheerend sein, so Maldonado. "Die geplanten Abbaugebiete liegen direkt neben dem Fluss Catatumbo, der in Venezuela in den Sees Maracaibo fließt und eines der größten Süßwasserreserven der Erde speist“, warnt die Anwältin.

Die Umweltbehörde hat das Ersuchen der Unternehmen nach einer Ausnahmegenehmigung für die Förderung in geschützten Gebieten zunächst abgelehnt. Die Firmen haben dagegen im Februar 2010 Einspruch erhoben, eine Entscheidung stehe noch aus. Die Zeit drängt, so Maldonado: „Wir müssen jetzt mobilisieren. Wenn die Maschinen erst einmal rollen, ist es schwer, das alles noch zu stoppen.“

Autorin: Bettina Hoyer