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Das "€žKautschuk-Fieber"€?: Eine historische Wunde

Eine in Südamerika bis heute verdrängte Epoche stellt das sogenannte „Kautschuk-Fieber“ dar, das von 1879 bis 1912 seinen Höhepunkt erreichte. Untrennbar mit ihm verbunden sind die Versklavung und Misshandlung von Zehntausenden Indigenen im Amazonasgebiet. Es handelt sich um ein dunkles Kapital in der Geschichte von Brasilien, Peru, Bolivien, Kolumbien und Ecuador.

Indigener als Einsatz beim Kartenspiel

Die Menschenrechtsorganisation Survival International hat aus Anlass eines historischen Datums auf das damalige Unrecht hingewiesen: Vor 100 Jahren wurden zwei indigene Sklaven nach Großbritannien gebracht. Fany Kuiru, eine Angehörige des Volkes der Witoto in Kolumbien, hatte in einem von Survival übermittelten Aufruf an die internationale öffentlichkeit darum gebeten, des in Südamerika verdrängten Unrechts an ihren Vorfahren zu gedenken. Im Jahr 1911 berichtete die britische Zeitung „Daily News“ über die Versklavung der beiden Indigenen Omarino und Ricudo. Diese waren dem britischen Konsul in Kolumbien „geschenkt“ worden – im Tausch gegen zwei Hosen und ein Hemd der eine, der andere infolge eines gewonnenen Kartenspiels. Die Vorgeschichte täuscht, denn der Konsul wollte die britische öffentlichkeit alarmieren und brachte die beiden Indigenen als „lebenden Beweis“ nach Europa.

Auch heute gilt: Nicht wegschauen

Fany Kuiru hatte Fotos ihrer versklavten Vorfahren erhalten. Sie mahnt, es handele sich keineswegs nur um Geschichte, sondern gelte auch für die Gegenwart gelte. Eine Gesellschaft lade Schuld auf sich, wenn sie ihre Regierenden nicht kontrolliere. Schwere Menschenrechtsverletzungen könnten die Folge sein. Wo dies bereits geschehen sei, müsse Gerechtigkeit hergestellt werden, auch durch Entschädigungen. (bs)

Quelle: Adital