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Damenwahl in Lima

Nicht nur die Brasilianer haben am Sonntag einen Präsidenten gewählt, sondern auch die Peruaner und Peruanerinnen ihre Bürgermeister und Regionalpräsidenten. Ein Wahlkrimi besonderer Art fand in der Hauptstadt Lima statt. Seit einigen Wochen stand fest, dass der nächste Oberbürgermeister Limas eine Frau sein würde. Bis zuletzt lieferten sich Lourdes Flores und Susana Villarán ein Kopf- an – Kopf-Rennen, bei dem nach Auszählung von 72,83% der Wählerstimmen Susana Villarán mit knapp 1% Vorsprung führt. Unabhängig von der engültigen Siegerin ist die politische Sensation in Peru perfekt: denn mit Susana Villarán schafft es erstmals nach 25 Jahren wieder eine Vertreterin einer Linkspartei auf die große politische Bühne.

Frauen, katholisch, gestanden

Beide sind sie Frauen, beide sind katholisch, beide sind gestandene und fähige Politikerinnen und stammen aus der Mittel- bzw. Oberschicht Limas. Und beide hatten ursprünglich mal Ambitionen, Präsidentin Perus zu werden. Damit erschöpfen sich aber schon die Gemeinsamkeiten zwischen der konservativen Lourdes Flores und der linksliberalen Susana Villarán.

Die 51-jährige Juristin Lourdes Flores ist Berufspolitikerin und Vorsitzende der peruanischen Christdemokraten. Als standhafte Parlamentsabgeordnete hat sie sich einen Namen gemacht in den 90-er Jahren, als sie gegen das korrupte Fujimori-Montesinos-Regime ihre demokratischen Überzeugungen verteidigte. Für das Präsidentenamt hat es dennoch nicht gereicht. Zweimal trat die ehrgeizige Politikerin an, die erste Präsidentin Perus zu werden. 2001 unterlag sie Alejandro Toledo nur knapp, 2006 erreichte sie nur einen dritten Platz hinter Alan García und Ollanta Humala. 2010 setzte sie ihr Ziel tiefer an und sagte sich, wenn sie schon nicht in den Präsidentenpalast einziehe, dann doch in die nächste Nachbarschaft, nämlich in das gegenüber liegende Oberbürgermeister-Palais. Dort würde sie immerhin über ein Drittel der Peruaner regieren – rund acht Millionen Menschen wohnen in der peruanischen Hauptstadt.

Überraschende Konkurrentin

Lourdes Flores hätte es wohl spielend geschafft, wenn nicht ihr Hauptkonkurrent aufgrund eines Formfehlers von der Wahl ausgeschlossen worden wäre und überraschend die bis dahin recht unbekannte Susana Villarán den leeren Platz in der Wählergunst eingenommen hätte. Susana Villarán, eine 61-jährige Lehrerin, Journalistin, Mutter und Großmutter hat ihre politische Heimat im Linkskatholizismus um den Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez, war Generalsekretärin des Dachverbandes der Menschenrechtsorganisationen, Frauenministerin in der Übergangsregierung Paniagua, und erste Ombudsfrau der peruanischen Polizeibeamten.

Mit ihrer neuen sozialdemokratischen Partei „Fuerza Social“, einer moderaten Linkspartei nach chilenischem und brasilianischem Vorbild, erreichte sie bei den Präsidentschaftswahlen von 2006 dennoch nicht mal ein Prozent der Wählerstimmen. Auch bei den Bürgermeisterwahlen in Lima erwartete sie höchstens ein Achtungserfolg.

Denn anders als in den lateinamerikanischen Nachbarländern, gab es in Peru bisher keinen politischen Linksruck. Dies lag zum einen an der Zersplitterung der Linksparteien, vor allem aber auch am Erbe des vergangenen Bürgerkrieges, bei dem die Linksparteien sich nicht deutlich genug vom „Leuchtenden Pfad“, einer maoistischen Terrorgruppe, distanziert hatten.

Rasanter Aufstieg

Der rasante Aufstieg Susana Villaráns in der Gunst der peruanischen Hauptstadtbewohner ist nicht nur ihrem persönlichen Charisma zuzuschreiben, sondern deutet daraufhin, dass viele Peruaner mit dem traditionellen Parteienangebot und seinen einseitig unternehmerfreundlichen Programmen unzufrieden sind. Mit dementsprechend harten Bandagen wurde der Wahlkampf der beiden Frauen um den OB-Sessel geführt. Da im April 2011 Präsidentschaftswahlen anstehen, rätseln die Analysten in Lima bereits, in welchem Präsidentschaftskandidaten sich diese neue Links-Bewegung sich kanalisieren wird.

Dabei sind die Aufgaben der Oberbürgermeisterin von Lima mehr pragmatischer als ideologischer Natur. Zum einen muss sie eine Lösung für die chaotischen Verkehrsverhältnisse in Lima finden. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist die Zahl der Autos in Lima um ein Drittel gestiegen, die Zahl der Straßen dagegen gleich geblieben. Zum anderen ist die Kriminalität in Lima immer noch eine Sorge vieler Bürger. Welche Frau auch immer zur Oberbürgermeisterin gekürt wird, es wartet ein harter Brocken Arbeit auf sie.

Autorin: Hildegard Willer