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Corona: Amazonas-Bischöfe fordern Schutz für Indigene

Yanomami, Adveniat, Brasilien

Die Yanomami leben abgeschieden im amazonischen Regenwald. Der Corona-Virus könnte ihre Existenz gefährden. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

"Wir Bischöfe des Amazonas sind angesichts des unkontrollierten Vordringens von Covid-19 in Brasilien, insbesondere im Amazonasgebiet, äußerst besorgt und fordern von Bund und Ländern mehr Aufmerksamkeit für diese Krankheit, die sich in dieser Region immer mehr ausbreitet“, heißt es in einer am 4. Mai 2020 veröffentlichten "Erklärung der Bischöfe des brasilianischen Amazonasgebiets über die Lage der Völker und Wälder in Zeiten der Covid-19-Pandemie". Das Dokument ist von von 65 Bischöfen und 2 Apostolischen Administratoren aus sechs Regionen der Brasilianischen Bischofskonferenz sowie vom Präsidenten der bischöflichen Sonderkommission für Amazonien, Kardinal Claudio Hummes, unterzeichnet.

Bischöfe: "Menschen sterben ohne medizinische Hilfe zu Hause"

"Die Völker des Amazonas fordern von den Behörden besondere Aufmerksamkeit, damit ihr Leben nicht weiter gefährdet wird”, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Bischöfe. „Die Sterblichkeitsrate ist eine der höchsten im Land, und die Gesellschaft erlebt bereits den Zusammenbruch der Gesundheitssysteme in Großstädten wie Manaus und Belém. Die von den Medien veröffentlichten Statistiken entsprechen nicht der Realität. Die Ergebnisse der Tests reichen nicht aus, um die wahre Ausbreitung des Virus festzustellen. Viele Menschen mit offensichtlichen Krankheitssymptomen sterben zu Hause ohne medizinische Hilfe und ohne Behandlung in einem Krankenhaus."

Die Bischöfe erinnern in diesem Zusammenhang an die Verantwortung der Behörden für die Unterstützung der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen: Indigene Völker, Quilombola und andere Gemeinschaften seien einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. "Die Zahlen sind alarmierend", betonen die Bischöfe und erinnern daran, dass "die Region den niedrigsten Prozentsatz an Krankenhäusern im Land hat". Neben den Gemeinden in der Waldregion seien auch Menschen in den Vororten der Städte der Pandemie in besonderem Maß ausgesetzt, da ihre bereits prekären Lebensbedingungen sich durch den Mangel an sanitärer Grundversorgung, angemessenem Wohnraum, Nahrung und Beschäftigung weiter verschlechterten. „Es sind Migranten, Flüchtlinge, indigene Einwohner in den Städten, Industriearbeiter, Hausangestellte, Menschen, die in informellen Sektoren beschäftigt sind und um Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit bitten. Es ist die Verpflichtung des Staates, die in der Verfassung des Landes verankerten Rechte durch die notwendigen Maßnahmen zu gewährleisten, damit diese Menschen die ernste Krise überwinden können.“

Fortschreitende Zerstörung Amazoniens begünstigt Pandemie

Die Bischöfe kritisieren auch, dass Bergbau und Entwaldung in den letzten Jahren alarmierend zugenommen haben, was durch die Lockerung der Kontrollen und "durch die politische Ablehnung des Umweltschutzes und des besonderen Schutzes der indigenen Gebiete erleichtert wurde". Die Bischöfe warnen daher: "Da der Amazonas zunehmend zerstört ist, wird es weitere Pandemien geben, die schlimmer sind, als die, die wir derzeit erleben”. Ein weiterer Grund zur Besorgnis sei die Zunahme der Gewalt in ländlichen Gebieten, insgesamt 23 Prozent mehr als im Jahr 2018. Im Jahr 2019 dokumentierte die Kommission für Landpastoral, dass 84 Prozent der Morde (27 von 32) und 73 Prozent der Mordversuche (22 von 30) im Amazonasgebiet verübt wurden.

Die Bischöfe des brasilianischen Amazonasgebiets forden deshalb abschließend dringende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen: Staatliche Maßnahmen zur Stärkung des Gesundheitssystems; Verzicht auf politische Statements, die die Wirksamkeit wissenschaftlicher Strategien diskreditieren; Einreiseverbote in alle indigenen Gebiete; Durchführung von Tests unter der indigenen Bevölkerung und eventuelle Isolierungsmaßnahmen; Bereitstellung der von der WHO empfohlenen persönlichen Schutzausrüstung; Schutz des Gesundheitspersonals; Gewährleistung der Ernährungssicherheit für indigene Völker und traditionelle Bevölkerungsgruppen im Amazonasgebiet; Stärkung der Kontrollen gegen Entwaldung und Landgewinnung; Gewährleistung der Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Organisationen, sozialer Bewegungen und Vertreter indigener Bevölkerungsgruppen an politische Beratungen.

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