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CODECA: Agrarpolitik schafft moderne Latifundien

In ihrer jüngsten Publikation „Situation der landwirtschaftlichen Arbeiter in Guatemala“ macht das Komitee für ländliche Entwicklung (CODECA) auf die Ausbeutung Indigener aufmerksam. Nach Angaben der Organisation hätte die Agrarpolitik des zentralamerikanischen Landes in den letzen 30 Jahren zwar zunehmend wirtschaftliche Erfolge nachweisen können, habe jedoch auch eine Struktur gefördert, die an die ehemaligen Großgrundbesitzer erinnern würde. Mit der Modernisierung der Landwirtschaft seien moderne Latifundien geschaffen worden, auf denen vor allem Arbeiter indigener Herkunft ausgebeutet würden.

CODECA untersuchte 609 von insgesamt etwas über 3.000 Agrobetriebe in Guatemala. 91 Prozent der Arbeiter in den Unternehmen sind indigener Herkunft und der Großteil von ihnen ist nicht über die eigenen Rechte informiert. 70 Prozent der Angestellten arbeiten zwischen neun und zwölf Stunden am Tag, ohne für Überstunden extra entlohnt zu werden. Fast alle Arbeiter erhalten außerdem einen Lohn, der unterhalb des Mindestlohns ist und bei Beschwerden wird ihnen mit Entlassungen gedroht. Lediglich ein Prozent der Arbeitskräfte ist gewerkschaftlich organisiert und lediglich vier Prozent befinden sich in einer Festanstellung. Der Großteil arbeite auf Basis eines temporären Vertrags. Viele der Indigenen verlassen für diese Arbeitsstellen ihre Heimat. Zusammenfassend führen diese Arbeitsbedingungen laut CODECA zur zunehmenden Verarmung der Mayas.

In ihrer Studie wirft CODECA der guatemaltekischen Regierung vor, diese Art von Ausbeutung zu unterstützen, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Die Modernisierung der Agrarpolitik in diese Richtung sei auch von internationalen Organisationen wie der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank vorangetrieben worden. (aj)