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Ciudad Juarez - Zwischen Scheitern und Hoffen

Am 11. Juni erreicht die Karawane der Hoffnung ihren Zielort: Ciudad Juárez. In dieser Stadt wurden allein im vergangenen Jahr 3.100 Menschen umgebracht, Frauenmorde bleiben jahrelang straffrei. Die Behörden sind gescheitert. Hoffnung liegt allein in der Zivilgesellschaft.

17 Jahre Straflosigkeit von Frauenmorden

Der Demonstrationszug, der sich am vergangenen Samstag in Richtung Ciudad Juárez auf den Weg machte, verkörpert eine enorme Symbolik: 17 Jahre der Straflosigkeit bei Frauenmorden. Zweifellos zeigt sich darin das größte Scheitern der Regierung in den letzten zwei Jahrzehnten.

Hunderte Personen wollen in Ciudad Juárez ihre Hoffnung auf das Handeln der Bürger setzen, begleitet von dem Ausruf: Es reicht!

Juárez ist der Ort, wo Hunderte Mütter zu Aktivistinnen wurden, auf der Suche nach ihren Töchtern, wo Hunderte Mütter erreichen wollen, dass ihre Töchter nach Hause kommen, wo Hunderte Mütter Casas Amiga (Häuser der Freundinnen) geschaffen haben in denen sie einen Frauentreffpunkt einrichteten, um weiter für Gerechtigkeit zu kämpfen. Dort wird am kommenden Samstag, dem 11. Juni die Karawane für einen Frieden in Gerechtigkeit und Würde ankommen.

Untätige Behörden und diffamierte Opfer

Juárez wankt zwischen dem Scheitern der Regierungen und der Hoffnung, die es ermöglicht, sich auf den Beinen zu halten.

Das minutiöse Verfolgen von Polizeiberichten in Lokalzeitungen durch Esther Chávez Cano deckte 1993 die systematischen Tötungen von Frauen auf. Weder lokale, noch die bundesstaatliche noch die mexikanische Regierung agierten rechtzeitig und mit Erfolg.

Die erste Reaktion bestand darin, den Opfern die Schuld zu geben. Wegen ihres Lebensstils. Wegen ihrer Art, sich zu kleiden. Diese Beschuldigungen gingen so weit, dass sie die erste Empfehlung seitens der Nationalen Kommission für Menschenrechte (CNDH) provozierten: eine Untersuchung des Machismus.

Heute werden die Opfer für schuldig erklärt, weil sie abends ausgehen, weil sie Jugendliche sind, die sich amüsieren wollen, weil sie auch hinaus auf die Straße gehen, wenn es eine Schießerei gab.

Im Jahr 2010 wurde das Scheitern der regierungspolitischen Maßnahmen, die mit großem Tönen begonnen wurden und überhaupt keine Fortschritte brachten, erneut deutlich.

141 Empfehlungen warten auf Umsetzung

Die Regierungen mussten angesichts der nationalen und internationalen Forderungen von Frauen tätig werden und schufen eine Staatsanwaltschaft, sowohl auf Landesebene, wie auch im Bundesstaat Chihuhua. Es wurden spezielle Kommissionen gebildet, sowohl im Senat wie auch unter den Abgeordneten. Es wurden Mittel bereit gestellt. Doch alle diese Maßnahmen führten nicht dazu, dass die Geschlechtergewalt gegen Frauen aufhörte.

Die Ineffizienz ist so groß, dass Ciudad Juárez allein 141 nationale wie internationale Empfehlungen auf sich gezogen hat, die fordern, dass die Behörden tätig werden und die Zivilgesellschaft, die Frauen und Kinder müssen.

Die Karawane der Hoffnung endet nicht zufällig in Ciudad Juárez. Denn zu den Frauenmorden kommt die erschreckende Zahl von 3.100 Morden in dieser Stadt hinzu, die allein im Jahr 2010 begangen wurden. Und unter den Toten sind hunderte Frauen. Unter den Opfern sind auch 14 Jugendliche, die im Januar 2010 in Villas de Salvárcar von Kugeln durchsiebt wurden.

Hoffnung auf organisierte Zivilgesellschaft

Die Karawane der Hoffnung steht nicht nur für die Hoffnung derer, die eine Tochter oder eine Angehörige verloren haben. Sie steht für die Hoffnung, dass eine organisierte Zivilgesellschaft die Mauern der Arroganz der Regierung einreißen kann.

Der Abschluss dieser Karawane in Ciudad Juárez steht nicht nur für die Tausenden Morde des vergangenen Jahres sondern auch für 17 Jahre Straffreiheit und das Scheitern der Behörden, die Frauen kein Leben ohne Gewalt garantieren konnten. Er steht für die straffreien Morde an Marisela Escobedo Susana, Rubí und Hunderten anderen Frauen.

Der Abschluss der Karawane steht für die Untätigkeit der Regierung, das Urteil im Fall der Morde von Campo Algodonero umzusetzen. Die Karawane findet in Ciudad Juárez ihren Abschluss, um aus dem Gedächtnis den Aufschrei von vor mehr als 15 Jahren wieder hervorzuholen... keine weitere Tote! (ni una más).

Autorin: Lucía Lagunes Huerta (Leiterin von CIMAC, Mexiko) in Adital; Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer