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CIMI: Gewalt gegen Indigene 2012 deutlich gestiegen

Der indigene Missionsrat CIMI prangert die Zunahme aller Arten von Gewalt gegen Brasiliens Indigene an. In dem am heutigen Donnerstag, 27. Juni, veröffentlichten 144 Seiten starken Bericht geht es nicht nur um Morde und Morddrohungen, sondern auch um Gewalt in Gestalt der Verweigerung von medizinischer Hilfe oder Bildung. Die Zahl der Fälle von Gewalt infolge des Nichthandelns der Staatsmacht stieg im vergangenen Jahr um 72 Prozent auf 106.801. Sogar um 237 Prozent im Vergleich mit 2011 nahm die Zahl der Indigenen zu, die persönlich Opfer von Gewalt wurden: 1.276 Fälle wurden registriert. In diese Kategorie fallen neben Morden und Mordversuchen auch Körperverletzungen und sexuelle Gewalt. 2012 wurden in Brasilien 60 Indigene ermordet, neun mehr als 2011. 37 Opfer waren allein im Bundesstaat Mato Grosso do Sul zu beklagen, es folgt Maranhão mit sieben Mordfällen.

563 Indigene in zehn Jahren ermordet

Den CIMI-Zahlen zufolge wurden in Brasilien in den vergangenen zehn Jahren mindestens 563 Indigene ermordet, 317 von ihnen in Mato Grosso do Sul. Ursache für die gewalttätigen Konflikte ist in der Regel der Zugriff auf Land, das die Indigenen für sich beanspruchen. Kritiker werfen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff vor, sie gebe dem Druck der mächtigen Agrarlobby nach und setze sich nicht konsequent für die Demarkierung indigenen Landes ein. 2012 wurden in ganz Brasilien lediglich sieben indigene Gebiete vom Staat anerkannt. Derzeit beträgt die Gesamtzahl der indigenen Gebiete 1.045. Kein Präsident erkannte seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie 1985 weniger indigenes Land an als Dilma Rousseff.

Dunkelziffer liegt weit höher

CIMI-Exekutivsekretär Cleber Buzatto betonte, dass das Leben der Indigenen aufs engste mit dem Land ihrer Vorfahren verbunden sei. Brasiliens Regierung müsse dringend ihre historische Schuld gegenüber den indigenen Völkern begleichen. Nur so lasse sich das physische und kulturelle Überleben der Indigenen sicherstellen. Erschreckend sind auch die Zahlen der Selbstmorde: Dem brasilianischen Gesundheitsministerium zufolge nahmen sich 2012 allein 56 Angehörige der Guarani Kaiowá das Leben. Der Bericht geht auch auf die existenzielle Bedrohung von Indigenen durch das umstrittene Staudammprojekt Belo Monte ein. Was die Gewalt gegen Brasiliens Indigene angehe, so sei von einer weit höheren Dunkelziffer auszugehen. CIMI ruft die Regierung dazu auf, endlich ihren Pflichten gegenüber den Indigenen nachzukommen. Problematisch sei auch, dass von bewilligten Budgets oft nur ein kleiner Teil seinem Verwendungszweck zugeführt werde. (bs)

Den CIMI-Bericht finden Sie hier:

http://www.cimi.org.br